Hilfe, die Fotos werden zu hell/zu dunkel!

Lesezeit: ca. 6 Minuten
Illustration zum Schalter der Belichtungskorrektur an einer Canon DSLR

Schalter zur Belichtungskorrektur an einer Canon DSLR

oder: Die wichtigste Einstellung, die Du an deinem Fotoapparat kennen solltest!
Gerade Anfänger wissen oft nicht, was sie am Fotoapparat überhaupt selber einstellen sollen und wovon sie (zumindest zu Anfang) besser die Finger lassen sollten.

Die modernen Kameras bieten ja sehr viele Eingriffsmöglichkeiten, da juckt es dann natürlich manchmal schon in den Fingern, etwas auszuprobieren.
Aber wenn man das planlos macht, muss man schon verdammt viel Glück haben, damit dann etwas sinnvolles entsteht.

Auf der anderen Seite wäre es aber auch völlig falsch, kritiklos alles zu schlucken, was die Kamera so einstellt. Manchmal sind trotz (oder besser: wegen) all der vielen verschiedenen Automatiken ein paar hilfreiche Eingriffe durch den Fotografen nötig und sinnvoll.
Deshalb gebe ich Dir hier im Blog nach und nach einige kurze Tipps und erkläre Dir, was für Dich zu Anfang wirklich wichtig sein könnte.

Eines der größten Problem ist dabei die Belichtung, die die Helligkeit der Bilder beeinflusst. Die Kameras werden in dieser Hinsicht zwar immer aufwändiger mit immer mehr Automatiken. Aber trotzdem gibt es manches mal Bilder, deren Helligkeit anders ist als gewünscht, die zu hell oder zu dunkel sind.
Was kann man in so einem Fall machen? Wie soll man als Fotograf eingreifen?

Belichtungsautomatik

Die meisten Kameras, die heutzutage verkauft werden, laufen im Automatikmodus.
Dann wird nicht nur die Aufnahmeentfernung mit dem Autofokus eingestellt, sondern auch die Belichtung wird automatisch gemessen und geregelt. Das funktioniert oft sehr gut, gerade für Motive mit durchschnittlicher Helligkeit passen die Angaben meist.

Und wenn das Motiv mal ein wenig von diesen Mittelwerten abweicht, ist das auch nicht schlimm, die Auswirkungen auf die Belichtungsmessung (und damit auf das Foto) sind dann oft nur gering.
Das ist dann nur bei speziellen Motiven wirklich kritisch ist und dem normalen „Fotoanfänger“ wird es meist überhaupt nicht auffallen.

Abweichung

Doch manchmal weicht das Motiv stärker von den Durchschnittswerten ab (zum Beispiel Schneelandschaften oder Bilder im Nebel).
Dadurch wird das Bild in der Automatik deutlich und störend zu dunkel (oder in anderen Fällen zu hell). Leider sind das gerade oft die spannendsten Motive. (Siehe auch meinen Artikel zum Supermond.)

Ilustration zur Belichtungskorrektur

Rechts mit Belichtungskorrektur auf plus eineindrittel

Früher zu analogen Zeiten, mit Film, war das ein großes Problem. An eine direkte Kontrolle der Belichtung vor Ort im Moment der Aufnahme war ja überhaupt nicht zu denken.
Als Fotograf brauchte man damals vor allen Dingen Erfahrung, um solche Situationen schon bei der Aufnahme zu erkennen. Und selbst mit Sofortbildkameras dauert es Minuten, bis das Bild kontrolliert werden konnte.

Damals musste man wegen der fehlenden Kontrollmöglichkeit die Belichtung sehr präzise messen und hoffen, das man alles richtig gemacht hat. Erfahrung war dabei sehr wichtig. Aber da man ja immer auf die fertigen Bilder warten musste und das Ausprobieren durch die Kosten für Film und Entwicklung teuer war, dauerte (und kostete) es, bis man die nötige Erfahrung hatte.

Heute, in der digitalen Welt kannst Du das Bild sofort kontrollieren und siehst direkt nach dem Auslösen (und bei einigen Systemkameras sogar schon davor), ob das Bild zu hell oder zu dunkel ist. Dieses sofortige Kontrollmöglichkeit ist aus meiner Sicht einer der größten Vorteil der Digitalfotografie, nicht nur für  (Wieder-)Einsteiger in die Fotografie.

Die Kontrolle ist aber nurmehr erste Schritt, um den Fehler überhaupt zu erkennen. Doch was nützt diese Kontrolle ohne die Möglichkeit der Veränderung? Die Kamera macht ja schliesslich alles automatisch! Man müsste auch in die Automatik eingreifen können. Und das ist auch möglich, es geht sogar relativ einfach.


Kurz mal angemerkt

Du kannst Dir gerne zusätzlich zu diesen Tipps meinen kostenlosen „Fotolehrgang im Internet“ durchlesen. Ich erkläre da aufeinander aufbauend die Grundlagen der Fotografie, damit Du auch nachvollziehen kannst, warum etwas wie funktioniert.
Die Frankfurter Rundschau schrieb zum Fotolehrgang: "die Sendung mit der Maus für Fotografie". Vielleicht ist das ja was für Dich.


Eingreifen

Zum Glück kannst Du Dich über die Standardergebnisse der Automatik hinwegsetzen und in die Belichtung eingreifen. Viele Kameras bieten Dir an, der Belichtungsautomatik mitzuteilen, dass Du das Bildergebnis heller oder dunkler haben möchtest.
Es ist dabei ganz einfach, eine Korrektur nach Plus macht das Bild heller, eine Minuskorrektur macht es dunkler.
Je nach Kamera musst Du diese Belichtungskorrektur aber auf unterschiedliche Art einstellen. Fast jeder Hersteller kocht da sein eigenes Süppchen und mache Hersteller verändern die Bedienungswerkzeuge sogar zwischen verschieden Kameramodellen.

Einstellung

An größeren Kameras mit professionellem Anspruch gibt es oft mehrere Einstellräder und bei Verwendung einer Belichtungsautomatik ist dann meist eines dieser Räder für die Korrektur vorbelegt. (Oder Du kannst es im Menu für eines der Einstellräder festlegen.)

Illustration: Das Belichtungskorrekturrad an einer Olympus Pen-F

Belichtungskorrektur an einer Olympus Pen-F (*)

Manchmal gibt es sogar ein besondere, fest nur für die Belichtungskorrektur vorgesehenes Einstellrad wie zum Beispiel an einigen Systemkameras von Olympus, Sony und Fuji. Meine aktuelle Beinahe-Lieblingskamera, die Pen-F von Olympus(*) hat diese Einstellmöglichkeit.

Bei den kleineren („Einsteiger“-) Spiegelreflexkameras gibt es für die Korrektur in der Regel kein spezielles Rad, an diesen Modellen gibt es oft ja nur ein einziges Einstellrad.
Trotzdem musst Du auf die Korrekturmöglichkeit nicht verzichten.

Knöpfchen muss man haben …

Manche Fotoapparate besitzen einen kleinen Knopf, den Du zur Korrektur der Belichtung drücken (und meist gedrückt halten ) musst, damit Du das einzige Einstellrad der Kamera vorübergehend zur Steuerung der Belichtungskorrektur verwenden kannst.

Illustration zu Belichtungskorrektur Canon

Belichtungskorrektur Canon

Illustration zur Belichtungskorrektur an einer Canon

Belichtungskorrektur an einer Canon

Illustration Belichtungskorrektur Nikon

Belichtungskorrektur an einer Nikon

Dieser Knopf liegt bei Nikon DSLRs meist neben dem Auslöser (direkt neben ihm ist  manchmal ein Blendensymbol abgebildet).

An Canon-DSLRs findest Du den entsprechenden Knopf auf der Rückseite neben dem Display, er ist mit „AV +/-„ beschriftet.

Einige Hersteller geben sich auch recht viel Mühe, die Einstellung zu verstecken. Bei vielen Panasonic Lumix Modellen muss man das (Daumen) Einstellrad in Richtung zum  Kameragehäuse drücken, dann schaltet seine Funktion auf Belichtungskorrektur um. Und durch erneuten Druck schaltet man wieder zurück. (Das hat mich an der ersten Lumix, die ich vor Jahren auf der Photokina in Händen hatte, einiges an Zeit gekostet, das ohne Bedienungsanleitung zu finden. Aber der Ehrgeiz war geweckt. ;-) )



Schnellmenu

Ein andere Weg zur Steuerung der Belichtungskorrektur führt über das „Schnellmenu“ vieler Kamera. Manchmal erreicht man diese hilfreiche Anzeige der wichtigsten Aufnahmeparameter über eine mit „i“ (Nikon) oder „Q“ (Canon) beschriftete Taste, manchmal muss man es mit der OK-Taste aufrufen. Die Kamerakonstrukteure haben leider viel Phantasie, so etwas nützliches gut zu verstecken.
Zur Not musst Du tatsächlich in die Bedienungsanleitung schauen.

Illustration zum Quickmenu mit

Schnellzugriff auf Einstellungen über die „i“ Taste an Nikon-Kameras

Mit einer „Kreuzwippe“ oder einem kleinen Joystick auf der Kamerarückseite oder den Einstellrädern oder … kannst Du im Schnellmenu dann zu den verschiedene Werten wechseln und sie verändern. So kannst Du auch die Belichtungskorrektur einstellen.

Der Rest ist dann ausprobieren und Erfahrung sammeln.
Die Einstellung wird meist [wie auch die Blende, Belichtungszeit und die Empfindlichkeit (ISO)] in Drittelschritten vorgenommen. Eine Korrektur um eine volle Stufe (drei Drittelschritte) sorgt für eine Verdopplung bzw. Halbierung der Lichtmenge für die Aufnahme.
Die Stufen entsprechen dadurch in der Auswirkung den Abstufungen bei Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit.
Eine Korrektur bis zu 6 Drittelstufen sollte in den meisten Fällen ausreichen, das musst Du einfach mit einem oder mehreren neuen Bildern ausprobieren.

Vorsicht!

Da die Stärke des Fehlers der Belichtung von dem jeweils gewählten Bildausschnitt abhängig ist, solltest Du für das neue Bild mit eingestellter Korrektur möglichst den exakt gleichen Ausschnitt fotografieren. (Du siehst, so einfach wie die Werbung behauptet, ist die Automatik gar nicht.)
Wenn Du zu stark abweichst, bringt der neue Motivbereich evtl. einen andere Verteilung der Helligkeiten, so dass sich die Belichtungsmessung ändert. Die Korrektur ist dadurch evtl. zu stark oder zu schwach oder auch gar nicht mehr nötig.

Und denk dran, die Korrektur danach wieder auf Null zurückzustellen! Sonst werden alle kommenden Bilder evtl. zu hell oder zu dunkel.

Nach dem Eingriff

Manchmal wirst Du, um ein „Ausbrennen“ der hellen Bildbereiche ins strukturlose Weiß zu vermeiden, das Bild knapper belichten, als es die Kamera ohne Eingriff machen würde.
Das ist dann zwar richtig belichtet, sieht aber in dem (vom Kameracomputer gefühllos  nach „Schema F“ erzeugten) JPEG, dass Du auf dem Display der Kamera siehst, viel zu dunkel aus.
Dann wirst Du leider gezwungen sein, in die Ausarbeitung des Bildes einzugreifen, am besten zu Hause am Computer.

Vor Ort kannst Du mit der Belichtung dagegen nichts mehr verbessern, denn eine heller belichtete Version des Bildes würde die hellen Partien ja wieder unerwünscht ausgefressen zeigen. Und noch dunkler sollte das Bild ja erst recht werden.

Gerade wenn man richtig belichtet ist also manchmal eine individuelle Ausarbeitung des Bildes nötig. Dazu habe ich einen etwas ausführlicheren Tipp: „Wer richtig belichtet, der braucht keine Bearbeitung! Stimmt das?

Die bessere Alternative.

Die ständige Anpassung der Belichtungskorrektur an sich ändernde Bildausschnitte kann auf Dauer ganz schön nervig sein. Erst recht, weil sie bei gleicher Beleuchtungsintensität (Sonnenschein) eigentlich gänzlich unnötig ist.
Ich finde es da viel einfacher, einmalig die Belichtung von Hand („M“-Modus) einzustellen und dann einfach zu fotografieren, ohne immer wieder eingreifen und korrigieren zu müssen.
Das geht viel schneller und ist vor allem viel einfacher als man so allgemein glaubt. Die Teilnehmer in meinen Fotokursen sind da jedesmal sehr angenehm überrascht, das es so einfach geht. ;-)
Man muss das natürlich ein wenig üben, spart dann aber später Zeit. Und Üben muss man den Umgang mit der Belichtungskorrektur ja auch.

Mehr zum M-Modus (und den Unterschieden und Vorteilen zur Automatik) findest Du unter:
http://tom-striewisch.de/belichtungsautomatik-und-m-modus.htm
Oder in meinen Fotokursen, da helfe ich Dir dann auch beim Üben. ;-)


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für richtig belichtete Fotos wichtigen Einstellungen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorrektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)


3 thoughts on “Hilfe, die Fotos werden zu hell/zu dunkel!

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