Meine besten Fototipps für Anfänger …

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Illustration zu: "Fotografieren in Paris"

Fotografieren in Paris

Mein wichtigster Fototipp für Einsteiger: „Lerne möglichst schnell die wichtigsten Grundlagen, speziell rund um das Thema Belichtung.“

Viele Anfänger fragen in den diversen Foren und sozialen Netzwerken nach einzelnen Tipps für bessere Fotos.
Das liegt ja auch nahe.
Fotografieren können die Kameras doch schliesslich vollautomatisch, da kann das alles eigentlich nicht sooo schwierig sein. Ein paar Fototipps und dann sollte es schon klappen.

Und solche Tipps sind tatsächlich als kleine Ratgeber manchmal sehr hilfreich. Und manchmal gibts es auch für totale Anfänger gute Ratschläge.
Aber die meisten sind doch eher für diejenigen sinnvoll, die sich schon auf den Weg gemacht haben, das Fotografieren zu lernen. (Das gilt natürlich auch für den einen oder anderen Beitrag hier in meinem Blog.)

Wenn Du dagegen noch am Anfang stehst, kann es durch manche dieser Tipps für Dich beim Fotografieren leider sogar schwieriger werden als nötig.
Du sammelst dann eine Menge an isoliertem „Inselwissen“ für spezielle Probleme an, ohne den zugrunde liegenden Zusammenhang zu verstehen.
Gerade das Verständnis dieser Zusammenhänge würde aber evtl. die eine oder andere Deiner Fragen gar nicht erst aufkommen lassen.

Zusammenhänge(nd) lernen statt Fototipps

Deshalb noch einmal mein wichtigster Tipp für Dich als Anfänger:
Wenn Du Dich fürs Fotografieren interessierst, dann lerne ein wenig zusammenhängendes Grundwissen und probiere es in der Praxis aus!

Du musst dazu keine teuren Bücher kaufen. Auch nicht an kostenpflichtigen Onlinekursen teilnehmen oder Videokurse kaufen.
Im Internet findest Du viele kostenlose Anleitungen, die Dir das Wissen zusammenhängend und aufeinander aufbauend erklären.

Schon vor über 20 Jahren habe ich mit dem Schreiben des „Fotolehrgang im Internet“ begonnen (den ich immer weiter aktualisiere und ausbaue). Damit kannst Du völlig gratis (auch ohne irgendwelche Registrierungen und obskuren Newsletter) Stück für Stück und in Deinem Tempo Fotografieren lernen.

Falls Du mit meiner Art zu erklären nicht klarkommst, ist das auch kein Beinbruch. Du wirst andere kostenlose Angebote finden, die Dir dann vielleicht besser liegen.
Wichtig ist, dass darauf achtest, dass die Informationen aufeinander aufbauen. Ansonsten verzettelst Du Dich nur wieder mit unzusammenhängenden Inselwissen.

Es geht dabei vor allem um das grundlegende Basiswissen rund um das Thema Belichtung (Belichtungszeit, Blende, Empfindlichkeit). Und um einige andere Bereiche (Brennweite, Fokus, Ausarbeitung der RAW Daten).

Ausprobieren!

Mein zweiter Tipp an Dich:
Probier das Wissen aus!
Nimm Dir die Zeit, die Dinge, die Du gelesen und (vermeintlich) schon verstanden hast, in der Praxis auch zu überprüfen.

Beim experimentieren solltest Du äußere Einflüsse wie das Verwackeln möglichst ausschalten. Stell deshalb die Kamera am besten auf ein Stativ (leih‘ Dir eins aus bei Freunden). Oder zu Not auf einen Tisch. Und verwende zum Auslösen einen Fernauslöser (Draht, Kabel, Funk) oder den Selbstauslöser. Viel Licht hilft auch gegen das Verwackeln, denn dann können die Belichtungszeiten kurz bleiben.

Blende

Ein paar Sprudelflaschen reichen, um die Schärfentiefe zu testen.

Schnapp Dir ein paar Sprudelflaschen mit leserlichen Etiketten. Stelle sie mit etwas Abstand (unterschiedliche Abstände ausprobieren) hintereinander auf einen gut beleuchteten Tisch (im Garten?).

Nimm sie mit verschiedenen Blendeneinstellungen (manuell oder Blendenvorwahl, also Einstellung „A“ oder „Av“) auf und sieh Dir die Auswirkung auf die Schärfentiefe an.

Je nach Kamera und Objektiv etc. wird der Unterschied erst richtig deutlich, wenn man ranzoomt und bei der Aufnahme noch näher an das Motiv herangeht.

Belichtungszeit 

Für das Thema Bewegungsunschärfe / eingefrorene Bewegung, stell Dich mit der Kamera an einen Springbrunnen, Wasserfall, Bachlauf oder an den Rand einer gleichmässig befahrenen Strasse. Probiere dann die verschiedenen Belichtungszeiten (manuell oder Zeitvorwahl, also Einstellung „S“, „T“ oder „Tv“)  durch.
Im Winter kannst Du das auch zuhause am gut beleuchteten (Fensternähe) Wasserhahn machen.

Belichtung

Belichtungskorrektur

Hänge eine schwarze und ein weiße Pappe (A4 oder größer) nebeneinander an eine Aussenwand (im Schatten bei Tageslicht).
Fotografiere beide nacheinander, so dass die Flächen den Sucher jeweils vollständig ausfüllen. (Entweder manuell — dann musst Du die Belichtung selber einstellen — oder mit Blenden- oder Zeitvorwahl.)
Die Ergebnisse werden vermutlich sehr ähnlich aussehen, denn die Kamera weiß ja nicht, was Du fotografierst.

Versuche anschliessend, mit der Belichtungskorrektur die weiße Pappe weiß und die schwarze Pappe Schwarz werden zu lassen.
(Mehr zur Belichtungskorrektur unter: „Hilfe, meine Fotos werden zu hell / zu dunkel!“

Hinweis AF

Viele Kamera sind in der Grundeinstellung so vorprogrammiert, dass sie den Auslöser blockieren, falls der Autofokus nicht irgendetwas scharf Abgebildetes im Bild erkannt hat.

Wenn Du nun eine strukturlose schwarze oder weiße Pappe fotografierst, kann der Autofokus da nichts erkennen. Und blockiert Dir (nach mehrmaligen Hin-und Hergesumme) rotzfrech einfach den Auslöser.
Das nennt man Schärfepriorität und ist meist mit dem Autofokusmodus „AF-S“ (bei anderen Herstellern heißt das „S“ oder „One-Shot“) verknüpft.

Bevor Du jetzt lange rumfummelst, kannst Du das Problem ganz pragmatisch lösen. Schalte den Autofokus für die Testaufnahmen einfach aus.
(Und vergiss nicht, ihn hinterher wieder einzuschalten!)
Für den Test musst Du auch nicht von Hand fokussieren, die Schärfe spielt ja keine Rolle, es geht ja nur um die Helligkeit der Flächen in den Bildern.

Die blockierende Kamera stellt anscheinend öfter ein Problem dar, deshalb habe ich dazu einen eigenen Blogbeitrag veröffentlicht. „Hilfe, die Kamera löst nicht aus

Belichtung 2

Stell die Kamera auf M (wichtig: schalte eine evtl. vorhandene ISO-Automatik aus!) und such Dir ein gut beleuchtetes Motiv (Tageslicht).
Stell Deine Kamera auf die kleinste Blendenzahl und suche mit dem Belichtungsmesser dazu die passende Zeit.
Mache Dein erstes Foto.
Dann ändere die Blende um drei Klicks. Das geht jetzt nur in Richtung größere Blendenzahl, das heisst weniger Licht.
Verlängere die Belichtungszeit um die gleiche Anzahl Klicks.
Wiederhole das mehrfach.
Die Ergebnisse sollten alle die gleiche Helligkeit aufweisen.

Zauberei? Nö!
Viele Kameras verwenden sowohl für die Belichtungszeit als auch für die Blende (und den ISO-Wert) Drittelstufen.
Drei Klicks in eine Richtung bedeuten dann eine Veränderung um eine volle Stufe und damit eine Verdopplung bzw. Halbierung der Lichtmenge oder eine entsprechende Anpassung der Empfindlichkeit. [Eine volle Stufe ist eine Veränderung um einen Lichtwert (LW) oder ein Exposure Value (EV), falls Du mal auf die Begriffe stößt. Häufig wird das auch „um eine Blende“ heller oder dunkler genannt.] In dem Fall führt ein Klick also immer zur gleichen Helligkeitsveränderung, egal ob Du die Blende, die Zeit oder den ISO-Wert anpasst. Und eine gewollte Veränderung kannst Du dann durch einen Kick in Gegenrichtung ausgleichen.

zum Fotokurs
3

Falls Du Belichtungswerte ändern willst, kannst Du das deshalb einfach blind machen, ohne auf die tatsächlichen Zahlenwerte zu achten. Denn ein Klick nach Plus kann durch einen Klick nach Minus ausgeglichen werden.
Wenn Du Die Belichtungszeit um sechs Klicks verkürzt, kanns Du zum Ausgleich die Blende um sechs Klicks öffnen, also in Richtung kleinerer Zahl bewegen.

Für Fortgeschrittene:
Und wenn das nur vier Klicks weit geht, weil die Blende sich dann nicht mehr weiter öffnen lässt, kannst Du zusätzlich den ISO-Wert um zwei Klicks anheben. In der Summe bist Du sechs Klicks in Richtung heller gegangen.

Hinweis halbe Stufen

Vorsicht, leider gibt es einige (zum Glück nur ganz wenige) Kameras, die wechelsweise Halb- und Drittelstufen verwenden. Dann ist der Ausgleich deutlich schwieriger.
Drei Klicks an dem einen Wert entsprechen zwei Klicks am anderen. Umständlich. :-(

Mehr zum manuellen Belichten findest Du in einem meiner am meisten gelesenen Artikel in diesem Blog: „Belichtungsautomatik? M-Modus? Wie geht das?

Brennweite 

Architekurfotografie

Gestaltung mit Abstand und Brennweite in der Architekturfotografie. Ich habe mich bemüht, die Säulen in beiden Bildern gleich groß zu halten.

Such Dir ein „Modell“, das kann ein Hydrant, ein Felsblock, eine Parkbank oder auch ein freundlicher und geduldiger Mensch sein, vor einem etwas entfernten aber gut erkennbaren Hintergrund (z.B. ein Haus). Versuche ihn aus unterschiedlichen Entfernungen zu fotografieren.
Passe dabei mit dem Zoom oder mit Objektivwechsel die Brennweite so an, dass das Model in den Bildern gleich groß wird. (Beim Abschätzen der Größe kann es hilfreich sein, wenn Du den Bereich des Models mit Autofokuspunkten im Sucher abdeckst.)

Vergleiche die Ergebnisse.

Mach diese Übungen nicht nur einmal, sondern wiederhole sie! Am besten eine Zeit lang täglich!

Noch eine Empfehlung zum Schluß

Kauf Dir nicht zu viel Zeugs! Die meisten Anfänger machen diesen Fehler und kaufen sich zu viel „Fotokrams“.

Zu Anfang kommst Du wirklich gut aus mit einer Kamera, die neben Blenden- und Zeitvorwahl möglichst auch manuelle Einstellungen der Belichtung (M) bieten sollte. (Auf dem Wahlrad oder im Menu findest Du dazu AV/TV/M oder A/T/M oder A/S/M)

Eine Möglichkeit die automatische Belichtung zu beeinflussen sollte auch dabei sein. Infos zur Belichtungskorrektur.

Das bieten aber nahezu alle Systemkameras (ob mit Spiegel als DSLR oder als „Spiegellose“.) Und auch viele Bridge und Kompaktkameras. Du musst Dir da nichts besonderes kaufen, ein (gerne auch etwas ältere) Einsteiger-DSLR zum Beispiel reicht da völlig aus.

Dazu wirst Du fast immer noch ein „Kit-Zoom“ haben, das den Bereich von leichtem Weitwinkel bis Tele abdeckt.
Das reicht für den Einstieg erstmal aus. Und evtl. musst Du dafür gar nichts bezahlen, sondern kannst Dir ein älteres Modell in der Familie oder bei Freunden ausleihen.

Mehr kaufen?

Wenn Du unbedingt willst und es für Deine Kamera erhältlich ist, ist eine *preiswerte* lichtstarke Festbrennweite spannend. (Ist aber definitiv nicht zwingend notwendig.)
Zur lichtstarken Festbrennweite

Damit solltest Du aber jetzt erstmal einige Zeit fotografieren. Erkunde ausführlich die mit dieser Ausrüstung Dir zur Verfügung stehenden gestalterischen Möglichkeiten.
Für manche Menschen reicht das für ein ganzes Fotografenleben, für andere ist es der Einstieg in eine sehr teueres Hobby.

Haben wollen

Natürlich macht es manchmal auch Spaß, etwas „einfach“ nur zu haben. Und das kann für eine besondere Kamera oder ein spezielles Objektiv natürlich auch gelten. Wenn es Dir leichtfällt, erfüll Dir ruhig den Wunsch und kauf Dir „Zeugs“. Aber erwarte nicht, dass Du dadurch bessere Fotos machst.

Für bessere Fotos wirst Du üben, üben, üben müssen.
Schau Dir viele Bilder an. Geh in Ausstellungen, kauf/leih Dir gute Fotobücher.
Und Du solltest mit vielen anderen Menschen (nicht nur Fotografen) über (nicht nur Deine) Bilder reden. (Zu meinem Fototreffen)

Und üben, üben, üben. ;-)

Von Fototipps profitieren

Wenn Du die wichtigsten Grundlagen lernst und in der Praxis ausprobierst, wirst Du nicht mehr allzu viele Fototipps zwingend brauchen.
Aber Du hast dann die Basis, um speziellere Hinweise und Ratschläge von anderen anzunehmen. Und Du kannst sie dann an Deine Bedürfnisse anpassen.
Dann kannst Du wirklich von den Tipps profitieren.
Wenn Du Dir noch unsicher bist, was Du beim Belichten überhaupt selber steuern solltest, habe ich hier den ersten Tipp für Dich. Was kommt zuerst? Blende? Belichtungszeit? ISO?


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für richtig belichtete Fotos wichtigen Einstellungen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorrektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.


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