Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 8 – Autofokus

Autofokusumschaltung

Wenn Du im Urlaub fotografierst, wirst Du in der Regel „scharfe“ Fotos machen wollen. (Lass Dich davon aber nicht versklaven. Manche Bilder sind besser, wenn sie eine mehr oder weniger große Unschärfe aufweisen.)
Egal was für eine Wirkung Du mit der (evtl. auch absichtlich nicht vorhandenen) Schärfe erreichen willst, Du wirst Dich über kurz oder lang mit dem Autofokus beschäftigen müssen.
(Warum der manuelle Fokus in der digitalen Fotowelt oft keine echte Alternative ist, erkläre ich weiter unten.)
Ich möchte jetzt hier zuerst einmal einige der grundlegenden Einstellungen erklären, die man an vielen Kameras wählen kann. Natürlich gibt es bei der großen Zahl verschiedener Kameramodellen viele Sonderfälle , aber es lassen sich doch einige Gemeinsamkeiten feststellen.

Generelle Probleme

Eigentlich fange ich ja nicht gerne gleich mit den Problemen an, aber es gibt einige Dinge, an denen der Autofokus scheitern kann. Und über diese sollten wir vorab sprechen.

  • zu wenig Licht
    Der Autofokus der meisten Digitalkameras braucht Licht, damit er etwas erkennen kann. Wenn das Motiv dunkel ist (dunkle Oberfläche und/oder schwach beleuchtet), ist es für den AF schwierig bis unmöglich, überhaupt etwas zu erkennen. Dann kann ein Hilfslicht an der Kamera die Rettung sein. Aber es kann auch das „Opfer“ warnen, blenden oder generell stören.
    Du kannst evtl. auch auf die „besseren“ Autofokussensoren ausweichen, die auch bei schwachem Licht noch scharf stellen können. Bei vielen Kameras ist der mittlerer AF-Sensor der beste. (Wie man ihn auswählt, folgt später.) Die Alternative besteht sonst nur noch in manueller Fokussierung, soweit die Kamera das zulässt.
  • zu gleichmässige Oberflächen
    Wenn auf der Oberfläche, die der Autofokussensor anmisst, keine ausreichende Struktur zu erkennen ist, kann der AF nicht scharf stellen. Evtl. hilft dann ein gleich weit entferntes Ersatzobjekt, dass Du anvisierst. Wenn die Kamera darauf fokussiert hat, hälst Du den Auslöser gedrückt und schwenkst zu Deinem Wunschaussschnitt zurück. (Die hierfür nötigen Einstellungen folgen unten)
  • zu große Autofokusmessfelder
    Wenn Du im Zoo durch die Gitter oder beim Portrait einer/s Liegenden durch das Gras hindurch scharf stellen willst, wird der AF häufig die Gitterstäbe oder das Gras im Vordergrund anvisieren und das dahinter befindliche Motiv bleibt dann unscharf. Evtl. hilft die Auswahl kleinerer Autofokusmessfelder, aber das geht nicht an allen Modellen. Alternativ kannst Du es dann noch mit einer Ersatzmessung versuchen oder mit manueller Fokussierung.

Moduswahl

Viele Kameras stellen zumindest zwei unterschiedliche Autofokusarten zur Verfügung. Entweder ist der AF dann abgestimmt auf maximale Schärfe für eher statische Objekte oder auf hohe Trefferquote bei dynamischen, bewegten Motiven.

In den Szenenprogrammen wird der jeweils passende AF direkt durch die Kameraelektronik ausgewählt.
Wenn Du Bilder machen möchtest, die eher dem „Massengeschmack“ entsprechen, wird er in den meisten Fällen passen. Im Sportmodus wird dazu dann auf einen dynamischen Autofokus umgeschaltet, im Landschafts- und Portraitmodus auf den eher statischen, aber auch zuverlässigeren, sicheren AF.

Falls Du aber auf „Grün“ verzichtest, musst Du den passenden Autofokusmodus selber wählen. (Ein Verzicht auf die Vollautomatik und auf die Szenenprogramme kann sehr sinnvoll sein, lies Dir diesen Text in meinem Blog durch)
Für den AF gibt es dann in der Regel drei Grundeinstellungen, die Du festlegen kannst.

1) Autofokus mit AF-S / S / One Shot

AF One Shot

Der Modus für statische Motive heisst bei den meisten Herstellern „AF-S“ (für Single) oder auch nur nur „S“ oder „One-Shot“. Mit dieser Einstellung versucht der Autofokus, auf das automatisch gewählte oder von Dir festgelegte (siehe weiter unten) Autofokusfeld zu fokussieren.
Wenn der AF dann einmal die richtige Einstellung gefunden hat, bleibt er auf dieser Entfernung stehen.

Dieses Verfahren ist sehr genau, aber nicht für sich bewegende Motive geeignet. Falls sich nach dieser ersten Fokussierung der Abstand noch verändert, versagt er.
Dein Hund, der auf Dich zu läuft und Dein Freund, der mit dem Fahrrad auf Dich zu fährt, werden dann evtl. in die Unschärfe geraten.
Ein weiterer Nachteil dieses Modus ist, das er an den meisten Kameras mit der Schärfepriorität gekoppelt ist. Er lässt Dich nur dann auslösen, wenn er sicher zumindest ein Detail im Bild als scharf erkannt hat.

Bei Motiven, auf die der AF nicht scharf stellen kann (bzw. bei denen er die richtige Fokussierung nicht erkennen kann), blockiert er also den Auslöser. So macht man dann keine unscharfen Fotos, indem man gleich gar keine Fotos macht. ;-)
(Ernster Hintergrund dazu: Für die Marketingabteilung der Kamerahersteller scheint ein nicht gemachtes Foto nicht so schlimm zu sein wie ein evtl. unscharfes Foto.)
Der AF-S / One Shot Modus ist für statische Motive (mit erkennbaren Kontrasten / Konturen / Strukturen) gut geeignet. Er ist also die erste Wahl für Landschaften, Portraits, Architektur, Sachaufnahmen und ähnliche Fotothemen.

2) AF-C / C / AI Servo

AI-Servo

Bei Aufnahmen von bewegten Motiven ist AF-S / One Shot eher ungeeignet. Speziell, wenn sich die Entfernung zum Objekt durch dessen Bewegung (oder auch die Bewegung der Kamera) verändert, kommt es zu Problemen.
In solchen Fällen solltet Du besser auf „AF-C“ (für continous, kontinuierlich, heisst manchmal auch nur „C“) oder „AI Servo“ umschalten.

Die Kamera versucht dann koninuierlich zu fokussieren, so dass Änderungen der Entfernung bis zum Moment des Auslösens berücksichtigt werden.
Manche Kameramodelle errechnen sogar die während des Auslöseprozesses weiter stattfindende Entfernungsveränderung und planen diese bei der Fokussierung direkt mit ein.

Dieser AF ist meist mit der Auslösepriorität gekoppelt. Du kannst mit dieser Einstellung jederzeit auslösen, auch dann, wenn der AF nicht sicher ist, richtig fokussiert zu haben. Dadurch steigt natürlich aber auch die Gefahr unschärfer Bilder. Bei statischen Motiven solltest Du auf diesen Modus verzichten. Aber bei Sportmotiven und anderen Motiven mit kontinuierlich wechselnden Abständen zwischen Kamera und Motiv ist AF-C / AI Servo das AF Programm der Wahl.

3) AF-A / AF-AI / AI Focus

Mit künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligenz, das „AI“ im zweiten Begriff) wird die Automatik (das „A“ im ersten Begriff) versuchen zu entscheiden, welcher der beiden Modi, also AF-C /AF Servo oder AF-S / One Shot) der für das jeweilige Motiv der passende ist. Leider liegt diese Automatik immer mal wieder falsch, deshalb verzichte ich darauf komplett und wähle die Einstellungen selber.

Welchen Autofokusmodus sollte man auswählen?

Das hängt wie immer ganz davon ab.
Wenn ich auf Reisen und im Urlaub Landschaften und Stadtansichten fotografiere, verwende ich meist AF-S bzw. One Shot. Das gilt auch für Portraits und Sachaufnahmen. Meine Tochter, die gerne bewegte Motive (speziell Hunde in schneller Aktion) fotografiert, wählt dafür meist AF-C bzw. AI Servo.

Pas de deux, ein Motiv für AF-C oder AI Servo

Fachwerk

Fachwerk, ein Motiv für AF-S oder One Shot

Autofokusarten

DSLRs (und einige Systemkameras) haben überwiegend einen sogenannten Phasen-Detektions-Autofokus, der sehr zielsicher und schnell arbeitet. Aber er kann nur die Bereiche messen, für die in der Kamera spezielle Messzellen verbaut sind.

Bis vor kurzem verwendeten die meisten Kompakt-, Bridge- und Systemkameras den in der Regel etwas langsameren Kontrastautofokus.
Er kann mehr oder weniger im gesamten Bild die Schärfe anhand des Kontrastes messen. Mittlerweile gibt es aber auch Systemkameras verschiedener Hersteller mit Phasen-Autofokus.

Egal welches Verfahren verwendet wird, selbst bei einfachen Kompaktkameras gibt es fast immer die Möglichkeit, einen speziellen Bereich oder ein spezielles Messfeld anzuwählen.
So kannst Du steuern, worauf die Kamera scharf stellt und den Fokus auf den Löwen legen.

Einige Kameras beherrschen sogar rudimentäre Formen der Motiverkennung und können auf Gesichter, ja manche sogar auf einzelne Augen fokussieren. Das erlaubt weitere Arten der Steuerung des AF.

Den Fokuspunkt auswählen

AF Automatische Messfeldwahl

Die meisten Digitalkameras haben mehrere Autofokusmesspunkte. In der Grundeinstellung wählt die Kamera dann vollautomatisch das aus ihrer Sicht passende Autofokusfeld aus.

In der Regel ist es das Messfeld, dessen Inhalt am nächsten an der Kamera ist.
„Was vorne ist, ist wichtig!“, so scheint die Überlegung der Hersteller zu sein. Und dann wird im Zoo eben auf das Gitter und nicht auf den Löwen fokussiert.

Glücklicherweise kann man bei vielen Kameras auch selber den Fokusbereich auswählen. Das kann eines von mehreren Messfeldern sein, oder aber ein Bereich des gesamten Bildes. Abhängig von der jeweiligen Kamera und von ihrer speziellen Einstellung.

Viele aktuelle Spiegelreflexkameras (und Systemkameras) beherrschen dank Live View / Moviefunktion mehrere Autofokus-Messmethoden und stellen für diese auch unterschiedliche Messbereiche /-felder zur Verfügung.

 

AF Manuelle Messfeldwahl

An meiner DSLR ist der zentrale Autofokusmessbereich der beste (er ist schnell und auch bei wenig Licht funktionsbereit), deshalb verwende ich in der Regel nur ihn.

Um außermittige Bereiche fokussiert aufnehmen zu können, könnte ich entsprechende Felder aktivieren.
Aber das ist mir zu umständlich. Und die äusseren Felder sind oft auch etwas langsamer und ungenauer, deshalb verwende ich einen „Trick“.
Ich peile das Motiv zuerst mit dem mittigen Sensorpunkt an. Dann fokussiert die Kamera (Druck auf den Auslöser) und ich schwenke dann, mit gedrücktem Auslöser, zu meinem gewünschten Bildausschnitt zurück.
Je nach Schärfentiefe klappt das recht gut.

Diesen „Trick“ habe ich in einem speziellen Beitrag zum Thema Autofokus und FTR und Bach-Button-Focus ausführlicher erklärt.

Für schnell bewegte Motivdetails ist diese Methode aber nicht so gut geeignet, sie ist eher etwas für Landschaft, Architektur, Stadtansichten, Sachaufnahmen und zum Teil auch für Portraits.

Altarnative Autofokusmethoden

Bei wenig Licht und vor allem vom Stativ (speziell bei meinen Kugelpanoramen und bei Sachaufnahmen), wechsle ich bei der DSLR oft in den Modus „Live View„, in dem mir auf dem Display das Bild angezeigt wird, das der Sensor aktuell sieht.
Dort habe ich eine Lupenfunktion zur Verfügung, mit der sich die Schärfe sehr gut überprüfen lässt. Damit kann ich auch von Hand ganz gut fokussieren.

Bei einigen (System-)Kameras kann man eine spezielle Funktion der Kantenverstärkung bei der Liveansicht verwenden.
Wenn Du diese „Focus-Peaking“ genannte Technik einschaltest, werden scharf abgebildete Kontrastkanten im Monitorbild mit (weißen oder auch farbigen) Linien betont. Bei einigen Herstellern gibt es auch ein „Zebra“-Muster, dass für bewegte Bilder besser ist, mich bei Standbldern aber eher stört.

Focus-Peaking ist (egal ob Flächen oder Zebramuster) bei den Kameras leider nicht immer optimal umgesetzt und passt nicht für alle Situationen. Es ist aber eine schöne Alternative zur Überprüfung der Lage des Schärfebereichs.

Ein Fotokurs
GRUNDLAGEN DER DIGITALFOTOGRAFIE

mit Tom! Striewisch. Ideal zum Verschenken oder Sich-Selber-Schenken:
Mehr Informationen und Anmeldung

Warum nicht manuell?

Mit den modernen DSLRs und Systemkameras kann man natürlich prinzipiell auch manuell fokussieren. Und mit einigen Kompakten und Bridge-Modellen geht das ebenfalls.

Aber ich würde Dir das nicht empfehlen. Die Sucher der modernen DSLRs lassen oft die Schärfe nicht gut erkennen, so dass man auf die Anzeige des Autofokusmoduls der Kamera angewiesen ist. Dann kann man auch gleich den AF verwenden.

Noch stärker sprechen aber die modernen Objektive gegen den manuellen Fokus. Als Zugeständnis an den Autofokus haben sie meist einen sehr leichtgängigen und kurzen Fokusbereich.
Das ist toll für den schwachbrüstigen Autofokusmotor, da muss er nicht so feste und lange drehen, um zu fokussieren.
Aber für den menschlichen „Motor“ ist das nicht so gut, man hat viel Einstellspiel und dreht schnell über den gewünschten Bereich hinaus.
In den meisten Fällen ist der manuelle Fokus deshalb eher nicht zu empfehlen.

Aber es gibt Ausnahmen.
Wenn Du alte, noch manuell zu fokussierende, Objektive einsetzt und die Kamera Dir am besten noch Fokus-Peaking und/oder eine Lupenfunktion anbietet, kann das manuelle Fokussieren richtig Spaß machen.
Dann steht am Objektiv eine satt und präzise laufende Fokussierung mit recht langen Einstellwegen zur Verfügung. Das kann dann richtig gut funktionieren, ist aber eher was für bereits ein wenig fortgeschrittene Fotografen.

Deine Aufgabe

Um etwas Übung im Umgang mit dem Autofokus kommt man nicht umhin, speziell dann, wenn man sich nicht mit Allerweltsaufnahmen zufrieden geben möchte. Nutz die Zeit vor und im Urlaub, um Dich mit den unterschiedlichen Arbeitsweisen des Autofokus Deiner Kamera vertraut zu machen.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für Urlaubsfotos relevanten Themen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

Du kannst diesen Blog abonnieren!

Dieser Beitrag hat Dir geholfen? Du willst mehr davon?
Prima!
Und damit Du keine zukünftigen Beiträge verpasst, kannst Du meinen Blog (natürlich gratis) abonnieren.
Über diesen Link kommst Du zum Aboformular "Auf dem Laufenden bleiben" . (Am Rechner oben rechts, am "mobilen Gerät" weiter unten.) Wenn Du dort Deine Email hinterlässt, erhältst Du jedes Mal eine Nachricht, wenn ich hier etwas Neues veröffentliche.

/ 08. Dez 2017

2 Gedanken zu „Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 8 – Autofokus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.