Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 2 – JPEG und Brennweite

Der Dialog zur Wahl der Komprimierung, Dateigröße und Dateiart (Raw und/oder JPEG) an einer Canon DSLR

Gerade dann, wenn Du Dich mit Digitalfotografie nicht so intensiv beschäftigst, kann es sein, dass Du Deine Kamera so einstellst (oder sie so eingestellt ist), dass Du möglichst viele Bilder auf der Speicherkarte unterbringen kannst.
Ist ja auch logisch, es sollen ja viele Urlaubsfotos auf die Karte gehen.
Je nach Kartengröße passen dann tausende Bilder. Ist natürlich toll, doch man erkauft dass mit einer zum Teil recht lausigen Qualität.

Zum einen sind dann nur noch wenige Bildpunkte übrig, von den teuer bezahlten Megapxieln stehen dann nur noch ein Viertel oder weniger zur Verfügung.
Und diese relativ wenigen Bildpunkte werden als JPEG auch noch mehr oder weniger stark komprimiert.

Beste Qualität

Solche Bilder sehen auf dem Display der Kamera immer noch gut aus. Und solange man keine Ausschnitte macht und den richtigen Betrachtungsabstand einhält (“Richtiger Abstand?” ) fällt diese starke Verkleinerung der Datenmenge gar nicht negativ auf.
Problematisch kann es aber werden, wenn man zum Beispiel einen Ausschnitt anfertigen will oder das Bild noch bearbeiten will.
In dem Fall sind oft nicht mehr genug Reserven in der Bilddatei und das Ergebnis wird nicht besonders gut werden.
Da man im Vorfeld nicht weiß, ob das nächste Foto so bearbeitet werden muss, solltest Du auf die starke Verkleinerung der Datenmengen am Besten verzichten. Bei Canon stellt man dazu unter Bildqualität auf “L” für “Large”, dann wird die volle Pixelzahl der Kamera genutzt.

Was bedeutet der Viertelkreis?

Und wenn der Viertelkreis neben dem Buchstaben ohne Stufen ist (manche Kamerahersteller nennen diesen Modus auch “Fine” oder “Superfine”), wird zusätzlich nur eine relativ schwache Komprimierung vorgenommen, die nach einer Bearbeitung erreichbare Bildqualität kann dadurch nochmals höher sein.
Also solltest Du besser “L” und den glatten Viertelkreis/Fine/Superfine verwenden.
Und evtl. eine zusätzliche Speicherkarte kaufen. Plan die aber lieber gleich etwas größer, denn durch den nächsten Tipp wirst Du noch größere Dateien mit noch besserer Qualität und noch mehr Möglichkeiten erhalten.

Wie entstehen die Bilder

Es ist ein beliebtes Missverständnis, dass eine Digitalkamera Bilder fotografieren würde.
Das ist aber, genau betrachtet, gar nicht richtig. Das Ergebnis der Belichtung ist vielmehr eine Tabelle von Millionen von Messergebnissen.

Tabelle statt Foto?

Tabelle statt Foto

Der Sensor besteht aus vielen Millionen lichtempfindlicher Punkte, für jeden Pixel der vielen Megapixel einer, in Spalten und Zeilen angeordnet. An diesen Punkten wird jeweils individuell die Helligkeit gemessen und das Ergebnis vorübergehend gespeichert.
Es ensteht so eine Art Tabelle der Messergebnisse.
Um ein Bild zu erhalten, könnte man jetzt die einzelnen Zellen dieser Tabelle der Messergebnisse je nach gemessenem Wert und damit je nach aufgetroffener Helligkeit unterschiedlich hell wiedergeben (quasi “Malen nach Zahlen”).
Die höchsten Messergebnis würden Weiß, die niedrigsten Schwarz und die anderen in unterschiedlichen Grautönen dazwischen angeordnet.
Das Ergebnis wäre ein Bild mit vielen verschiedenen Graustufen, ein Schwarz-Weiß-Foto. Die Farben tauchen bei dieser reinen Helligkeitsmessung noch gar nicht auf.
Doch die meisten Menschen wollen anscheinend nicht Schwarzweißbilder sondern Farbfotos, also musste man sich etwas einfallen lassen.

Und jetzt in Farbe

Zuerst wurden Farbdigitalkameras entwickelt, die drei Sensoren mit jeweils unterschiedlichen Farbfiltern verwendeten. Ganz ähnlich wie in der Frühphase der Entwicklung der Farbfotografie in der Analogfotografie wurden die entstehenden drei Graustufenbilder entsprechend der Farben, mit denen sie entstanden sind, gemischt.

Doch drei Sensoren – das war zu teuer, zu empfindlich und zu unhandlich.

So kam man auf die Idee, vor jeden Sensorpunkt einen Farbfilter zu setzen, so dass der jeweilige Bereich nur das Licht einer Farbe sehen kann. Die Kamera erzeugte so eine Tabelle mit Angaben zur Helligkeit und jedem Messwert war zusätzlich eine Farbe zugeordnet.

Interpretation

Doch nun gab es kein eindeutiges Ergebnis der Farbmischung mehr. Vielmehr musste man interpretieren.

Stell Dir vor dass als Messergebnis neben einem hellen roten Bereich ein dunklerer blauer und ein weiterer dunkler, grüner Punkt liegen. Dann kann man anfangen zu raten, ob da wohl wirklich helles Rot, dunkles Blau und dunkles Grün nebeneinander lagen. Oder ob nicht vielmehr überall helles Rot war, dessen Farbe durch den blauen und grünen Filter ausgesiebt wurde. Das führt zu  zu einer niedrigeren Helligkeit und damit zu einem niedrigen Messwert bei dem blau bzw. grün gefilterten Sensorpunkt liegt.

Dieses Interpretation der Farben aus den eigentlich nur die Helligkeit wiedergebenden Messergebnissen kann man natürlich mit dem Begriff “Interpolation” nett umschreiben. Und “Demosaicing” hört sich auch gut an. Aber es bleibt eine Interpretation, es ist nur “begründet geraten”, der direkte Bezug zur Realität vor der Kamera im Moment der Aufnahme ist nicht mehr gegeben.

Und was ist mit Out Of Cam (OOC)?

Falls jemand wirklich ein vermeintlich ehrliches Bild direkt aus der Kamera, ohne Bearbeitung, haben will, muss er sich die Tabelle ansehen. Jedes Bild, auch das erste „jungfräuliche“ JPEG aus der Kamera, stellt schon eine Interpretation, eine Bearbeitung dar.

Es ist um keinen Deut ehrlicher als alle anderen möglichen Interpretationen. Es ist einfach nur nach Standardvorgaben, evtl. basierend auf dem Geschmack eines japanischen Entwicklungsingenieurs, umgesetzt.

Das wahrhaftigste, ehrlichste Ergebnis der Digitalkamera ist die Tabelle der Messergebnisse.

Ob die Standardumsetzung dieser Tabelle immer optimal ist, ist eher zweifelhaft. Viele Kameras lassen glücklicherweise ein Speichern der erzeugten Daten zu.

Man spricht dann von “RAW”-Dateien. Mit einer solchen RAW-Datei ist der Fotograf in der Lage, später die Interpretation selber nach seinen eigenen Vorstellungen vorzunehmen.
Dafür kann er unterschiedliche Programme nutzen, die sogenannten RAW-Konverter.
Auf die automatische Interpretation, die gerade bei besonderen Motiven, bei interessanten Beleuchtungssituationen oft überfordert ist, kann er dann verzichten. Und er hat so die Möglichkeit, die Auswirkung seiner Eingriffe direkt am Monitor zu kontrollieren.

Diese Messergebnisse werden meist direkt nach der Belichtung von dem kleinen Computer in der Kamera interpretiert. Es entsteht dann aus den Messwerten ein Farbfoto, das ein mögliches Ergebnis (eins von vielen möglichen) der Interpretation darstellt. Würde die Interpretation unter anderen Vorgaben erfolgen, wäre evtl. ein anderes Bild mit unterschiedlichen Farben und Helligkeiten das Ergebnis.
Es gibt also kein Foto, dass ein zwingend eindeutiges Ergebnis der jeweiligen Belichtung ist.
Die auf diesem Weg entstandenen Bilder werden dann typischerweise als JPEG Dateien gespeichert.

RAW verwenden

Bei einigen Motiven (oft den interessantesten Urlaubsfotos) ist die kamerainterne Interpretation der Messergebnisse manchmal leider nur mindergut.
Wer dann die Option haben möchte, seine Bilder später selber noch besser zu interpretieren, ist gut beraten, dafür möglichst viele bei der Belichtung gewonnene Informationen nutzen zu können. Die Tabelle kann man dazu als sogenannte RAW-Datei speichern.

Da auch eine nur gering komprimierte JPEG-Datei, auch wenn sie noch die volle Pixelzahl hat (siehe vorheriges Kapitel), nicht mehr das Original darstellt, ist eine echte Neuinterpretation nicht mehr machbar. Es gibt vom JPEG kein zurück mehr zur Tabelle. Man kann die Auswirkungen einer nicht optimalen Interpretation dann zwar noch bearbeiten (und das oft auch mit Erfolg), aber die Möglichkeiten sind im Gegensatz zur Interpretation der Tabelle der Messergebnisse, zur Interpretation der RAW-Datei, deutlich eingeschränkt. Gerade stärkere Veränderungen in Bezug auf Helligkeit, Kontrast und Farbigkeit sind dann nicht mehr möglich.

Urlaubsmotiv – Dünen

Quintessenz:

Wenn Du Dir die Optionen zur Bearbeitung offen halten möchtest, solltest Du mit RAW Dateien fotografieren.
Evtl. kannst Du in besonderen Situationen Deine Kamera so einstellen, dass sie zusätzlich JPEGs erzeugt. Wenn Du im Urlaub keinen Computer zur Umwandlung der RAW-Datei dabei hast? Kein Problem. Wenn Du eine selbstgemachte Postkarte oder einen Ausdruck aus dem nächsten Drogeriemarkt benötigst, kannst Du dort dann die zusätzlich erzeugte JPEG-Datei abgeben (mit RAWs können die Ausbelichtungsgeräte erfahrungsgemäß nichts anfangen). Und Du hast dann trotzdem die RAW-Datei für evtl. Anpassungen zur Verfügung.
Vielleicht kann Deine Kamera auch schon selber nachträglich die Umwandlung einer RAW-Datei in ein JPEG vornehmen. Manche Kameras können dabei sogar „Bildstile“ anwenden und z.B. eine schwarzweiße Version Deines Bildes erzeugen.

Um die Interpretation der Tabelle, die Umwandlung der RAW Daten, am Computer vorzunehmen, liefern viele Hersteller Software beim Kauf der Kamera mit. (Es gab aber auch schon Hersteller, die sich diesen Service zusätzlich bezahlen liessen.)

Einige dieser Programme sind fürchterlich schlecht, andere sind wirklich sehr gut.
Aber sie sind meist nur auf die Dateien eines Herstellers abgestimmt. Um alle meine Bilder, auch aus Kameras unterschiedlicher Hersteller, mit der gleichen Software bearbeiten zu können, verwende ich das Programm Lightroom(*).

Kümmern wir uns jetzt noch um zwei gestalterische Themen.

Auch für Urlaubsfotos: Näher herangehen.

Diese Empfehlung (Braucht man Regeln? ) ist völlig banal und auch keinesfalls neu, aber trotzdem wird sie oft nicht beherzigt. Sei es aus Unachtsamkeit, aus Faulheit oder aus Unsicherheit anderen Menschen gegenüber, in vielen Bilder ist das wichtige Hauptobjekt (das Motivdetail, das den Fotografen veranlasste, den Auslöser zu drücken) zu klein abgebildet.

Das liegt u.a auch an unserer Wahrnehmung, die die uns umgebende “Realität” interpretiert. Sie lässt zum Beispiel für uns wichtige Dinge in unserem Blickfeld größer erscheinen.
Im Bild, das die Kamera aufnimmt, funktioniert das aber nicht. Dort sind die Dinge so groß abgebildet, wie sie in ihrer tatsächlichen Relation zueinander waren. Und das ist oft zu klein. Deshalb der Rat:

 

Wenn Du Dir unsicher bist, ob Du nicht schon zu nah an Deinem Motiv bist, dann geh noch näher heran. ;-)

Brennweite

Es ist übrigens keinesfalls egal, ob man wirklich näher herangeht oder ob man “nur” die Brennweite verlängert (“heranzoomt”).
Bilder aus kurzer Distanz mit kurzer Brennweite fotografiert haben eine andere räumliche Wirkung als Bilder, die mit längerer Brennweite aus längerem Abstand aufgenommen wurden. Das Hauptobjekt kann zwar in beiden Bildern gleich groß wiedergegeben werden. Doch im ersten Bild scheint eine große räumliche Tiefe zu herrschen (“Weitwinkelperspektive”), während im zweiten Foto der Raum verdichtet erscheint (“Teleperspektive”).
Beides kann je nach Bildidee richtig sein,  wenn jedoch das eine zu Deinem Motiv und Deiner Vorstellung passt, muss das andere falsch sein.
Probier das am besten noch zu Hause aus, bevor Deine Urlaubsfotos darunter „leiden“.

Anhand des obigen Bilderpaares kannst Du die unterschiedliche Wirkung des Hintergrunds beobachten.
Der Standort des Vordergrundmotivs, der Person, war bei beiden Bildern unverändert.
Ich habe lediglich die Brennweite und der Aufnahmestandpunkt geändert. Ich bin weiter weg gegangen und habe dann heran gezoomt.
Die Abbildung der Person bleibt dadurch gleich groß. Doch der Hintergrund hat sich dramatisch vergrößert, er wirkt näher, der Raum scheint sich verdichtet zu haben.
Das war in diesem Fall besser für die Bildgestaltung, die Brücke wirkt so größer und erhabener.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen: Die für Urlaubsfotos relevanten Themen wie Belichtung, Automatiken und Belichtungskorektur,  aber auch Brennweite, Bildgestaltung und Bildbearbeitung sind ein wichtiger Teil meiner Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de anbiete.

Du kannst diesen Blog abonnieren!

Dieser Beitrag hat Dir geholfen? Du willst mehr davon?
Prima!
Und damit Du keine zukünftigen Beiträge verpasst, kannst Du meinen Blog (natürlich gratis) abonnieren.
Über diesen Link kommst Du zum Aboformular "Auf dem Laufenden bleiben" . (Am Rechner oben rechts, am "mobilen Gerät" weiter unten.) Wenn Du dort Deine Email hinterlässt, erhältst Du jedes Mal eine Nachricht, wenn ich hier etwas Neues veröffentliche.


(*) Dies ist ein sogenannter Affiliate Link. Wenn Du hierüber etwas kaufst, erhalte ich eine paar Prozente, ohne dass Du deshalb mehr bezahlen musst. Klassisches Win-Win also. ;-)

Betrachtungsabstand
Wenn man ein Bild betrachtet, versucht man, so nah wie möglich heranzugehen, um das Bild mit seinen Details zu sehen. Die Nahgrenze ist erreicht, wenn das Bild größer wird als der Bereich, den man auf einen Blick erkennen kann. Ginge man noch näher heran, würde man zwar mehr Details erkennen können, aber man könnte das Bild nicht mehr als Ganzes überblicken. Sein Aufbau und der Zusammenhang zwischen den Bilddetails ginge dann verloren. Deshalb lautet eine der Grundlagen der Formeln zu technischen Fragen wie Schärfentiefe und Bewegungsdarstellung: “Man betrachtet ein Bild am sinnvollsten aus einem Abstand, der in etwa seiner Diagonale entspricht.”

Dies ist der Abstand, aus dem man das Bild noch überblicken kann und trotzdem möglichst nah am Bild ist.

Bei kleinen Bildern ist man dann näher dran, bei größeren Bildern entsprechend weiter weg. Immer kann man das Bild gerade eben noch als Ganzes überblicken und ist trotzdem möglichst nah am Bild. Wenn man so immer in Relation zur Bildgröße den gleichen Betrachtungsabstand einhält, bleibt der relative Abstand zwischen zwei Punkten auf dem Bild auch bei unterschiedlich großer Wiedergabe des Bildes gleich.

Das menschliche Auge braucht einen gewissen relativen Mindestabstand zwischen zwei Bildpunkten, um sie überhaupt als individuelle Punkte zu sehen. Kleinere Abstände würden dazu führen, dass man zwar zwei individuelle Punkte im Bild hat, der Betrachter diese aber nur als einen Punkt erkennen kann. Eine so große Schärfe der Abbildung, wäre quasi “Perlen vor die Säue”, denn sie würde über die Fähigkeiten des menschlichen Auges hinausgehen.

Wenn man das ganze andersherum angeht, ist eine Unschärfe, deren Auswirkung unterhalb dieser Schwelle bleibt, nicht als Unschärfe erkennbar. (siehe auch im Fotolehrgang im Internet: http://www.striewisch-fotodesign.de/lehrgang/notiz_megapixel_megaschaerfe.htm)

Nicht zu ernst nehmen!

Es handelt sich bei diesen Tipps keinesfalls um Gesetze, die man nicht brechen darf. Es sind nur Hinweise, die auch tendenziell langweilige Bilder, deren Inhalt den Betrachter nicht von vornherein fesselt, “erträglich” machen können.

Ein Bild mit einem spannenden Inhalt, einer spannenden Idee, kann dagegen trotz (oder wegen) einer Missachtung dieser Überlegungen ein tolles Bild ergeben.

Je mehr man sich mit Gestaltung und Inhalt der eigenen (und fremder) Bilder auseinandersetzt, desto eher wird man in die Situation kommen, solche Hinweise nicht mehr zu benötigen oder auch bewusst missachten zu können. Solange man da noch nicht angekommen ist, kann es helfen, diese Hinweise bei der Planung/Gestaltung der eigenen Bilder zu berücksichtigen.

/ 05. Dez 2017

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.