Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 5 – Belichtungszeit

Die lange Belichtungszeit verwandelt das Riesenrad in eine Zentrifuge für das Astronautentraining

Für ein „gutes Foto“ ist es wichtig, das das Bild die Aufmerksamkeit des Betrachters gewinnt (und behält). Ein spannender Bildinhalt, ein interessante Geschichte im Foto helfen dabei.
Man kann ihn aber zum Beispiel auch mit dem Bildaufbau, mit Schärfeverläufen, mit unterschiedlichen Helligkeiten oder Farbgebungen quasi an die Hand nehmen und ihn so durch das Bild führen.
Dabei kann, wie im letzten Tipp zur Urlaubsfotografie geschrieben, die Wahl einer passenden Schärfentiefe helfen. Damit betont man wichtige Bereiche und lässt unwichtige in der Unschärfe im Vordergrund- oder Hintergrund verschwinden.

Eine andere Methode möchte ich Dir jetzt zeigen.
Es geht dabei um die Darstellung von Bewegung im Bild. Das gleiche Objekt kann, je nach gewählter Belichtungszeit, durch seine Bewegung völlig unterschiedlich aussehen.

Durch die Wahl der passenden Belichtungszeit liegt es in Deiner Hand, ob ein bewegtes Motivdetail im Bild eingefroren oder verwischt dargestellt wird.
Du kannst durch kurze Belichtungszeiten auch schnellste Bewegungen einfrieren und andererseits durch entsprechend lange Zeiten eine Weinbergschnecke auf Schallgeschwindigkeit beschleunigen.

Einstellung

Für Fotos mit Bewegungsunschärfe oder eingefrorener Bewegung ist es wichtig, dass Du die Belichtungszeit der Bewegung und vor allem der Geschwindigkeit Deines Motivs anpassen kannst.
Wenn Du die Kamera in den Modus „Zeitvorwahl“ [je nach Hersteller heißt das dann „T“, „TV“ oder „S“ für Time(-value) oder Shutter] bringst, kannst Du diese Zeit frei wählen (zumindest mehr oder weniger, Vorsicht wegen der Verwacklungsgefahr ).
Die Kamera wird dann die bei dieser Belichtungszeit nötige Blendenöffnung messen und  einstellen. Das geht natürlich nur innerhalb der Grenzen des Blendenbereiches, den Dein Objektiv / Deine Kamera zur Verfügung haben.

Mehr Möglichkeiten

Falls dieses Spektrum nicht reicht, wird die Kamera Dir das zum Beispiel durch Blinken der Blendenzahl anerziehen. In so einem Fall kannst Du zusätzlich noch die Empfindlichkeit (den ISO-Wert) der Kamera, anpassen. Um es dann ganz bequem zu haben, kannst Du dazu auch, soweit vorhanden, die ISO-Automatik wählen.

Sollten die Bilder in der Automatik zu hell oder zu dunkel werden, benutzt Du die Belichtungskorrektur oder stellst gleich selber die nötigen Werte (zusätzlich zur Belichtungszeit dann noch Blende und Empfindlichkeit) von Hand im Modus „M“ ein.
Wenn die Bilder bei Deiner Wunschzeit zu hell werden, obwohl Du schon die Blende geschlossen und die niedrigste ISO gewählt hast, wird es Zeit für einen Graufilter(*), auch ND-Filter (von Neutral Density) genannt. Der reduziert das durch das Objektiv fallende Licht, so dass das Bild dunkler wird.

Verwacklungsgefahr
Wenn die Belichtungszeit einen bestimmten Punkt überschreitet, wächst die Gefahr, dass die Kamera während der Belichtung unbeabsichtigt bewegt wird. Das Abbild des Motivs wandert dann während der Dauer der Belichtung auf dem Sensor und erzeugt so ein unscharfes Foto.
Das Problem wächst, wenn die Brennweite länger wird, die Unschärfe wird quasi mitvergrößert.
Bei Kameras die den früher üblichen Kleinbildfilm verwenden, konnte man eine einfache π*Daumen-Rechnung machen. Danach schafften es die meisten Menschen ein unverwackeltes Foto zu machen, wenn die Belichtungszeit nicht länger war als der Kehrwert der Brennweite. Bei 30mm Brennweite sollte die Zeit also nicht länger werden als eine 30stel Sekunde.
Die digitalen System- und Spiegelreflexkameras haben meist einen Sensor der etwas kleiner ist. Das Bild dieses Sensor muss also anschließend im Verhältnis zum Foto auf Kleindbild etwas stärker vergößert werden. Diese stärkere Vergrößerung würde auch die Verwacklung mit vergrößern und stärker sichtbar machen.
Deshalb muss man bei diesen Kameras diese Vergrößerung zusätzlich berechnen. Dazu wird die Brennweite mit dem sogenannten „Cropfaktor“ multipliziert. Bei den meisten DSLRs beträgt dieser Faktor 1,5, bei Canon ist es 1,6. FourThirds und MicroFourThirds Kameras haben den Wert 2.
Aus den 30mm des Beispiels oben werden so 45, 48 oder 60, die längste Belichtungszeit sollte also nicht länger sein als 1/50stel bzw. 1/60stel.
Nicht vergessen, es ist nur eine Daumenregel, das kann nach oben und unten abweichen.

Mit der Belichtungszeit steuerst Du nun, wie stark Dein Motiv verwischt wird. Je länger die Zeit, desto stärker die Wischer. (Bei Zeiten, die länger als die Verwacklungsgrenze sind, wirst du ein Stativ oder andere Hilfsmittel zum Abstützen der Kamera einsetzen müssen.)
Früher musste man dann lange auf die entwickelten Bilder warten, heute kannst Du die Ergebnisse direkt beurteilen und so schnell mit Ausprobieren die passende Zeit finden.

Es geht dabei in erster Linie um die Geschwindigkeit des Abbild des Motivs auf dem Sensor, ein krabbelndes Kind im Vordergrund kann stärker verwischen als ein startender Düsenjäger am Horizont.

Das Thema Belichtungszeit ist aber nicht nur für Objekte wichtig, die sich deutlich im Raum bewegen. Auch für bewegte Bildbereiche wie Wasser an einem Bach, einen Springbrunnen oder einen Wasserfall kannst Du damit interessanter gestalten.

Mit längerer Belichtungszeit „mitziehen“

Drei unterschiedliche Arten Bewegung (nicht) darzustellen.

Drei unterschiedliche Arten Bewegung (nicht) darzustellen.

Für unseren Fall ist es jetzt wichtig, dass das bewegte Motivdetail *nicht* verwischt abgebildet wird.
Im Gegenteil, es sollen nun gerade die bewegten Objekte präzise und scharf dargestellt werden. Diese soll sich der Betrachter ansehen. Der unwichtige (und eventuell ablenkende) Hintergrund dagegen soll in der Unschärfe verschwinden.
Und zusätzlich soll der Betrachter die Geschwindigkeit spüren. In diesem Fall kannst Du es mit „Mitziehen“ versuchen.

Dabei versucht man, die Kamera gleichmäßig mit dem Objekt zu bewegen, so daß das Abbild immer an der gleichen Position im Bild bleibt.
Dadurch wird das Objekt scharf abgebildet, die eigentlich unbewegten Bereiche (meist der Hintergrund) dagegen werden unscharf und vermitteln dem Betrachter das Gefühl, er würde sich ebenfalls bewegen, parallel zum Objekt.
Um diesen Effekt zu erreichen, sollte die Kamerabewegung bereits vor dem Auslösen beginnen und über das Schließen des Verschlusses hinaus weitergehen. Die Chance auf gute Bilder kann man mit der Serienbildeinstellung („Motor“) steigern.

Damit Du einen ersten Startwert für Deine Experimente hast: Verwende eine Belichtungszeit, die länger ist als die Geschwindigkeit des abgebildeten Objekts. Ein Auto mit 50 Km/h sollte zum Mitziehen also mit einer Belichtungszeit länger als 1/50stel fotografiert werden.
Aber je nach Abstand und Brennweite (also Größe des bewegten Motivdetails im Bild) können die nötigen Zeiten auch deutlich abweichen.
Du wirst etwas Erfahrung sammeln müssen.

Autofokus

Bei Aufnahmen mit Bewegungsunschärfe ist es oft besser, wenn der Autofokus der Kamera für diese Technik deaktiviert ist. Damit verhindert man die speziell bei diesen Aufnahmen ungünstige Verzögerung beim Auslösen der Kamera, die gerade an Kompakt- und Bridgekameras häufig auftritt.

Je nach Kamera kannst Du dazu vorher auf bildwichtige Bereiche (im Beispielbild auf den Bereich, durch die der Radfahrer vermutlich fahren wird) scharfstellen. Evtl. solltest Du also auf einen vorher vorbeifahrenden Radfahrer oder eine anderes Testobjekt in passender Entfernung fokussieren.
Die gefundene Einstellung behälst Du dann bei. Dazu schaltest Du den Autofokus für die Dauer der Aufnahmen aus. Und änderst an den Entfernungseinstellungen nichts mehr. (Nach den Bewegungsaufnahmen darfst Du das Wiedereinschalten des Autofokus nicht vergessen!)

Bei den Spiegelreflex- und Systemkameras kann man den Autofokusmodus testweise auf „AF-C“, „Continous“, „Servo“ oder ähnliche lautende Einstellungen stellen. Die Kamera lässt sich dann jederzeit auslösen und der Autofokus versucht sein Bestes. Wenn es nicht klappt, schaltet man auch hier den Autofokus aus.

Verwacklungsgefahr

Bei den langen Belichtungszeiten, die gerade für das Mitziehen langsamer Motive nötig sind, kann es zum Verwackeln kommen. Eine kürzere Belichtungszeit würde dann helfen, aber der Mitzieheffekt wäre kleiner oder ganz weg. Also bleibt nur, die Kamera zu stützen. Dazu haben sich Einbeinstative(*) bewährt.

Stabilizer aus!

Einige Stabilizer funktionieren in einer besonderen Einstellung auch bei Mitziehern, die darf man dann natürlich verwenden, evtl. hilft das bei längeren Zeiten gegen das Verwackeln.

Wenn Deine Kamera und oder Dein Objektiv dagegen zwar eine Stabilizerfunktion eingebaut hat, diese sich aber für Mitzieher nicht entsprechend regulieren lässt, solltest Du sie besser ausschalten.
Dieser Stabilizer würde sonst versuchen, Teile des Schwenks mehr oder weniger scharf werden lassen. Das sieht meist blöd aus.

Zwei Vorteile

Mit dem Mitzieher hast Du also eine weitere Möglichkeit, das Bild spannender zu machen. In der gewünschten Bewegungsunschärfe können unwichtige Details, die den Betrachter sonst ablenken würden, verschwinden.
Und gleichzeitig kannst Du das Gefühl der Bewegung und Geschwindigkeit vermitteln.


An der Stelle darf ich vielleicht noch ein bisschen Eigenwerbung machen:
Themen rund um Bildgestaltung und Aufnahemtechnik wie Brennweite, Belichtung, Weißabgleich, Autofokus, etc. sind ein wichtiger Teil meiner
Fotokurse zu den Grundlagen der Fotografie, die ich an der Fotoschule-Ruhr.de im Bereich Grundlagenkurse anbiete.


ISO?
Der ISO-Wert steuert die Empfindlichkeit der Kamera. Jedesmal, wenn Du den ISO-Wert vedoppelst (von 100 auf 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400, 12800, 25600, …) braucht die Kamera für ein gleich helles Bild nur halb so viel Licht wie vorher.
Ein niedriger ISO-Wert (z.b. 100) sorgt für gute technische Bildqualität. Höhere ISO-Werte (z.B. 1600) machen die Kamera zwar empfindlicher, aber sie verschlechtern die technische Bildqualität, es kommt Rauschen in die Bilder. Da man Rauschen meist vermeiden möchte, lautet die einfache Regel: „Nimm einen ISO-Wert, der so niedrig ist wie möglich, ohne dass Du unterbelichtete oder verwackelte Bilder erhältst.“
Aus diesem Grund verwendet man den ISO-Wert in der Regel nicht zum Steuern der Belichtung solange man mit Blende und Belichtungszeit noch andere Möglichkeiten zur Verfügung hat.
Mehr Infos zu ISO im Fotolehrgang im Internet
Ein Tipp Tipp gegen das Rauschen auf den Tipp-Seiten der Fotoschule-Ruhr.deTipp-Seiten der Fotoschule-Ruhr.de.

(*) Dies ist ein sogenannter Affiliate Link. Wenn Du hierüber etwas kaufst, erhalte ich eine paar Prozente, ohne dass Du deshalb mehr bezahlen musst. Klassisches Win-Win also.
Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 20. Jul 2017

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