Schwarzweiß-Digitalfotografie – Umwandlung in der Kamera oder später?

Illustration zu Schwarweißfotografie

Apfel in Farbe und SW, drei Varianten. Oben rechts automatisch umgewandelt, unten links mit Gelbgrün gefiltert, unten rechts mit Rot.

Direkt oder später? Diese Diskussion kam neulich bei einem Fotokurs wieder auf. Eigentlich ist es ganz einfach und auch schnell gesagt (geschrieben): fotografiere in RAW, dann hast Du noch alle Möglichkeiten.

Aber was spricht denn eigentlich gegen das Schwarzweißbild, wie es die Kamera erzeugt, warum eigentlich nicht direkt SW und JPEG fotografieren?

Viele (vermutlich alle) Digitalkameras bieten ja heutzutage einen SW-Modus an. Aber damit solltest Du vorsichtig sein, oft erzeugen die digitalen Fotoapparate in der schwarzweiß-Einstellung leider nur einfach farblose Bilder

Schwarz-weiß bedeutet in der Fotografie aber eben viel mehr als ein Bild ohne Farbe.

Ein Bild eines roten Apfels auf einer grünen Wiese, dem man einfach die Sättigung entzieht, verliert evtl. komplett seine Dramatik.
Denn der Apfel und die Wiese sind ja ungefähr gleich hell. Wenn dann im Bild „nur“ die Farbe fehlt, bleibt ausschliesslich die Helligkeit über. Und da diese bei beiden Objekten annähernd gleich ist, erhalten Apfel und Wiese auch in etwa den gleichen Grauton (siehe oben rechts in der Illustration). Der spannende (Farb-) Kontrast geht dadurch leider völlig verloren.

Filter

Dieses Problem ist nicht neu, man musste auch schon zu analogen Zeiten die Farben in passende Grautöne übersetzen.
Früher, mit Schwarzweißfilm, hätte ich dazu mit einem Rotfilter den Apfel heller und die Wiese dunkler abgebildet. Oder mit einem Gelbgrünfilter die Wiese hell und den Apfel dunkel.
So oder so, ich hätte versucht, den Farbkontrast in einen Helligkeitskontrast umzuwandeln.

Mit einem digitalen Farbbild kann man diese Umwandlung der Farben zu Grautönen auch später noch steuern. Aber dafür benötigt man dann das noch farbige Bild.
Diese Option hast Du, wenn du in JPEG auf schwarz-weiß fotografierst, nachträglich aber nicht mehr zur Verfügung. Die Farben sind dann ja im JPEG bereits endgültig verschwunden.

Du müsstest in diesem Fall diese Farbumwandlung wie früher bereits bei der Aufnahme mit unterschiedlichen Farbfiltern steuern.
Das geht natürlich, ist aber viel umständlicher als nötig.

Aber der SW-Modus der Kamera ist trotzdem wichtig.
Gerade SW-Einsteigern hilft das schwarzweiße Vorschaubild auf dem Display recht gut, die SW-Tauglichkeit des Motivs zu beurteilen. Man lernt so deutlich schneller, was in SW oder Farbe besser „kommt“.
Darauf sollte man möglichst nicht verzichten.

Damals…

Vermutlich hätte ich zu Zeiten der Fotografie auf Film die rechte Hand meines Assistenten dafür geben, wenn mir damals jemand die Möglichkeit angeboten hätte, nachträglich für meine SW-Negative das Kontrastverhalten und die Umsetzungen der Farben in Grauwerte steuern zu können.
Ich habe mich ja schon recht früh in meiner fotografischen „Laufbahn“ sehr intensiv mit den ganzen Prozessen auseinandergesetzt, habe dann vor allem während des Studiums auch das Zonensystem kennengelernt und angewendet.  Aber von den heutigen Möglichkeiten auf dem Weg zum SW-Bild war für mich nur zu träumen.

 

Analoger Fummelkram

Vor allem im Kleinbildbereich konnte man ja eingentlich immer nur den ganzen Film mit seinen 36 Negativen anpassen, an individuelle Entwicklung war nicht zu denken. Falls ein kontrastreicherer Look gewünscht war,  war dies zwar durchaus, zumindest in Grenzen, machbar. (Unter anderem nach Zonensystem „einfach“ N-1 belichten und N+1 entwickeln.)
Doch dafür musste man schon etwas intensiver mir der Materie vertraut sein.
Und vor allem das galt dann immer für den ganzen Film. Wenn sich zwischendurch ein Motiv mal für einen softeren Look anbot, musste ich nachträglich in der Duka mit anderem Papier und anderem Entwickler arbeiten, evtl. sogar vom Vergrößerer mit Kondensor auf einen nicht ganz so scharf und kontrastreich arbeitenden Farbvergrößerer mit  „Lichtmischbox“ umsteigen.
Sofern ich ihn zur Verfügung hatte („armer Student“).
Und es gab eine weitere Einschränkung. Nachträglich im Labor die Umsetzung der Farben in unterschiedlich helle Grautöne zu steuern war eigentlich gänzlich unmöglich, das musste man schon bei der Aufnahme entsprechend filtern.

Moderne Zeiten

Heutzutage kann man dagegen recht einfach und für jedes Bild einzeln in SW fotografieren.
Das geht sogar mit, wenn gewünscht, von Bild zu Bild unterschiedlichen individuellen Vorgaben in Bezug auf die Kontraste und auf die Umwandlung der farbigen Welt auf SW.
Und man hat trotzdem noch alle Möglichkeiten offen, sich später anders zu entscheiden.

Um das zu nutzen, fotografie ich SW grundsätzlich immer in RAW. Aber bei der Aufnahme wende ich trotzdem manchmal Kontrasteinstellungen an, die entweder die Kamera bereits mitbringt oder die ich im Kameramenu selber erzeuge.
Und zusätzlich setze ich auch die Simulation der Farbfilter ein, die viele Kameras zu Verfügung stellen. Dann gibt es bei Landschaften direkt einen kräftigen Himmel, wenn der virtuelle Rotfilter eingesetzt wird.
Diese Einstellungen wirken sich aber nur auf das Vorschau-JPEG in der RAW-Datei aus. Damit sie später im Computer, wenn LR seine eigene Vorschaubild erzeugt, nicht verloren gehen, lasse ich im SW-Modus die Kamera zusätzlich noch ein SW-JPEG erzeugen, quasi als Gedächtnisstütze, wie ich das RAW ausarbeiten wollte.

Rücktrittversicherung

Oft fotografiere ich in einer Art „Flow“ meine Bilder und diese Fotos sollen dann eine ähnliche Stimmung aufweisen.
Ich wechsle dann nicht sprunghaft die Brennweite oder den Aufnahmeabstand zwischen den einzelnen Bildern. Mein Aufmerksamkeitshorizont liegt während dieser Zeit vielmehr in einem bestimmten Entfernungsbereich, näheres oder weiter entferntes wird dann nicht so ohne weiteres zu mir durchdringen.
Und das gilt auch für die gewünschte Stimmung der Bilder, die ist dann auch eher konstant. Und erfordert deshalb meist auch eine ähnliche Ausarbeitung der RAWs.

Aber machmal dringt dann doch ein anderes Motiv durch, das ich dann quasi „dazwischenschieben“ will.
Hätte ich nun nur JPEG zur Verfügung, dann müsste ich in dem Fall den SW-Prozess der Kamera „umprogrammieren“, das würde mich vermutlich komplett aus dem Fluss rausreißen.
Durch die Nutzung von RAW kann ich da ganz beruhigt sein und die Einstellung einfach so lassen, wie sein sind.
Ich habe für dieses Einzelbild ja nachträglich noch alle Möglichkeiten offen, nur das Vorschaubild wird halt nicht so aussehen, wie ich es möchte.

Software

Illustartion zu Lightroom für Schwarzweiß

Lightroom für Schwarzweiß. Der kleine Knopf im roten Kreis erleichtert die gezielte Umwandlung von Farbe nach SW.

Ich verwende zur Ausarbeitung meiner Bilder seit vielen Jahren am liebsten Lightroom(*).
Dieses Programm hat eine paar sehr praktische Optionen für die SW-Ausarbeitung – speziell im HSL-Reiter der Entwickeln-Moduls. Dort gibt es einen kleinen unscheinbaren Knopf, der eine große Arbeitserleichterung darstellt.
Wenn Du in diesem Bereich auf SW umschaltest, wird direkt das ganze Bild in Graustufen umgewandelt. AberDu kannst immer noch eingreifen, denn im Hintergrund der RAW- Datei sind ja noch alle Farben vorhanden.
Und mit dem kleinen Knopf linkss oben (im roten Kreis in der Abbildung oben) kannst Du nun Bereiche im Bild anwählen und mit Cursor-Bewegung (rauf bzw. runter) die Helligkeit der dort liegenden Farbe im gesamten Bild steuern.
Ist schwerer zu beschreiben als zu machen, es ist quasi selbsterklärend. Klick einfach mal auf den Knopf, der Cursor ändert sich. Geh dann zum Beispiel in den blauen Himmel eines Landschaftsfotos und ziehe den Cursor mit gedrückter Maustaste rauf oder runter (der Cursor ist während des Ziehens unischtbar. Das wars, es ist wirklich so einfach.

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SW-Presets

Mit Lightroom(*) kannst Du Entwicklungsvorgaben – Presets –  anwenden, die andere Fotografen mit dem Programm bereits erstellt haben.
Solche Vorgaben gibt es zum Teil kostenlos zum Download. Und Lightroom selber bringt auch bereits einige SW-Presets als Standard mit.
Wenn Du im Entwicklungsmodul mit der Maus über diese Vorgaben fährst, kannst Du im Navigator eine Vorschau der Auswirkung auf Dein Bild sehen. Es ist sehr hilfreich, auf diese Art schnell mal sehen zu können, was alles möglich ist.

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Und wenn Du meinst, ich hätte das nicht verdient, dann lässt Du es eben. ;-)

/ 29. Nov 2017

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