Warum ist der Mond auf meinen Fotos zu hell?

Illustration zu "Der Mond ist zu hell"

Der Mond ist zu hell

Gestern war „Supermond„. Eine Supergelegenheit, mal ein schönes Mondfoto zu machen.
Aber irgendwie ist das gar nicht so einfach.
Und so häufen sich heute die Anfragen in Mails und den „sozialen Medien“, warum die Fotos nichts geworden sind.
In vielen Fällen ist der Mond viel zu klein und vor allem viel zu hell geworden.
Bei Dir auch?
Blöd gelaufen. Aber freu Dich, dass Du ihn überhaupt sehen konntest, bei mir waren nur Wolken am Himmel. Deshalb habe ich hier auch nur ein älteres Beispielbild.
Doch woran liegt nun der viel zu helle Mond? Und was kann man dagegen tun?

Woran liegt das?

Vermutlich hat sich der Belichtungsmesser Deiner Kamera irritieren lassen. Er erzeugt immer Messergebnisse, die dann zu mittelhellen Bildern führen sollen. Er weiß ja schliesslich nicht, was Du tatsächlich fotografierst und nimmt deshalb einfach ein mittelhelles Durchschnittsbild als Ziel für seine Messung. Und das passt auch oft.
Aber eine Nachtaufnahme mit Mond ist nicht mittelhell, sondern der Mond ist nur ein kleiner heller Punkt in einem großen dunklen Umfeld. Wenn das Ergebnis jetzt aber vermeintlich mittelhell werden soll, stimmen die Messergebnisse (die dann die Vollautomatik oder die Belichtungsautomatik übernimmt) nicht mehr.
Alles wird durch die fälschlicherweise eingestellte stärkere Belichtung heller abgebildet. Und so ergeht es auch dem eigentlich eh schon hellen Mond. Er wird ebenfalls noch heller belichtet und wird so zu hell, er überstrahlt und wird reinweiß.

Was kann man dagegen tun?

Du kannst, wenn Du in der Automatik bleiben möchtest (oder beim Smartphone und anderen einfachen Kameras bleiben musst), versuchen, die Belichtung zu reduzieren. Das geht an manchen Smartphones mit einem Slider, Digitalkameras habe dafür die Belichtungskorrektur.
Aber dann musst Du vielleicht jedesmal, wenn Du den Ausschnitt durch Kameraschwenk oder Zoom änderst, die Korrektur neu einstellen, weil sich dadurch ja das Verhältnis zwischen dunklem Umfeld und hellem Mond geändert haben könnte.
Eigentlich ist dieses automatische Vorgehen der Kamera ja auch völliger Unsinn, denn durch einen Schwenk oder durchs Ranzoomen wird der Mond ja gar nicht heller.

Deshalb ist es in den meisten Fällen bei einem Mondfoto besser (und einfacher), die Belichtung manuell einzustellen.
Das ist keine schwarze Magie. Der Mond ist eine sonnenbeschienene Felsoberfläche, und müsste ganz ähnlich fotografiert werden wie der entsprechende Untergrund bei Sonnenlicht auf der Erde.
Das wird je nach Mondstand irgendwas um ca. Blende 11 und 1/ISO-Wert sein.
Was heisst das?

Einstellungssache

Wenn Du demnächst wieder den Mond fotografieren möchtest (und das lohnt sich auch dann wenn es kein „Supermond“ ist, der Unterschied zwischen einem Supermond und jenem im Monat davor oder danach macht im Regelfall weniger als ein Prozent aus), dann  solltest Du zuerst die Kamera auf „M“ stellen und im Menu die vielleicht vorhandene ISO-Automatik ausschalten.
Dann stellst Du den Blendenwert auf 11 (meist steht dann im Display „f 11“). Dazu musst Du bei manchen Kameras eine zusätzliche Taste (oft: „AV +/-“ oder nur „+/-„) gedrückt halten, während Du am Rad drehst(!).
Den ISO-Wert stellst Du im Menu oder mit Druck auf eine entsprechend beschriftete Taste und Drehen des Einstellrades ein.

Und was soll das: 1/ISO-Wert?

Ganz einfach, die Belichtungszeit legst Du fest mit dem Kehrwert des ISO-Wertes, bei ISO 100 eine 1/100stel, bei ISO 200 eine 200stel, bei ISO 400 eine 1/400stel usw.
Wenn Du, was ich empfehle, vom Stativ fotografierst, kannst Du ruhig einen niedrigen ISO-Wert und damit eine länger Belichtungszeit nehmen.

Da Du wegen der Beugungsunschärfe bei Micro-Four-Third-Kameras (Olympus, Panasonic) besser nicht auf Blende 11 gehst, kannst Du Blende 8 nehmen und die Zeit halbieren. (1/100stel wird zu 1/200stel etc.)

Damit hast Du einen ersten Startwert für die Belichtung.
Wenn die Bilder damit dann zu dunkel aussehen, öffnen die Blende etwas und versuche es noch einmal. Wenn Sie zu hell sind, kannst Du die Belichtungszeit verkürzen. Zoom nach der Belichtung ruhig mal in die Ansicht auf dem Display hinein, um Dir das Ergebnis genau anzusehen.

Fotografieren lernen statt Rezept

Das Deine Fotos vom Supermond nichts geworden sind ist ärgerlich!
So ein „Rezept“ wie das oben für ein Mondfoto (Blende 11 und 1/ISO-Wert) ist praktisch. Aber viel besser ist es, wenn Du die (eigentlich einfachen) Zusammenhänge begreifst und dann nicht Rezepte auswendig lernen musst.

Vielleicht ist ja jetzt der richtige Zeitpunkt, mal darüber nachzudenken, ob Du nicht doch richtig fotografieren lernen möchtest.
Ich hab dann eine gute und kostenlose Quelle als Empfehlung für Dich! Lerne fotografieren mit meinem kostenlosen Fotolehrgang im Internet (fürs Mondthema schau Dir mal das Thema „Belichtung“ an).
Und wenn Du willst, dann darfst Du natürlich gerne auch an meinem Grundlagen-Fotokurs (u.a auf Zeche Zollverein) teilnehmen. Gerade die richtige Belichtungsmessung ist dann ein wichtiges Thema. Und neue Termin gibt es auch gerade.
Der Kurs ist zwar nicht kostenlos, aber dafür kann ich Dir das in aller Ruhe persönlich zeigen und erklären.
Vielleicht sehen wir uns ja, ich würde mich freuen.


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