Tipps für bessere Urlaubsfotos Teil 3 – richtig Belichten

Richtig belichten (1)

Das Thema Belichtung beschäftigt die Fotografen schon seit den ersten Tagen der Fotografie und spielt natürlich auch bei vielen Urlaubsfotos eine große Rolle.

Man kann das gleiche Motiv auf ganz unterschiedliche Arten belichten. 
Bei einigen Einstellungen verändert sich die Helligkeit des entstehenden Bildes, bei anderen bleibt sie gleich — aber trotzdem verändert sich evtl. das Aussehen des Bildes.

Kümmern wir uns jetzt zu Anfang erstmal um die Helligkeit und wie man sie mit der Belichtung verändert und an die eigenen Wünschen anpasst..
Das erste Ziel sollte es dabei sein, ein richtig belichtetes Bild zu erhalten. Ich will im folgenden versuchen, Dir zu erklären, wie Du dass erreichen kann.
In meinem kostenlosen „Fotolehrgang im Internet“ brauche ich für dieses Thema viele Seiten. Es ist sehr umfangreich und man braucht etwas Zeit , um es wirklich ausführlich zu erläutern. Hier auf dieser Seite werde ich versuchen, mich auf die absoluten Basics beschränken, um es kurz zu halten. Willst Du mehr Infos, dann folge dem obigen Link.

Motive und Beleuchtung

Eine der größten Herausforderungen ist, dass es unterschiedlich helle Motive gibt (z.B ein Gruppenfoto mit Bäckern oder ein Gruppenfoto mit Schornsteinfegern) und diese Motive natürlich auch noch ganz unterschiedlich beleuchtet sein können (volle Sonne, Bewölkung, Dämmerung, Nacht).

Auf diese Eigenarten des Motivs muss die Belichtung jeweils abgestimmt werden.
Der Belichtungsmesser in der Kamera hat dabei das Problem, dass er gar nicht weiß, ob das Motiv von sich aus hell ist (also einen großen Anteil des auftreffenden Lichtes reflektiert) oder ob es hell beleuchtet wird. Die Bäcker in der Dämmerung sind für die Belichtungsmessung evtl. genauso hell wie die Schornsteinfeger im direkten Sonnenlicht.
Wie soll die Kamera (bzw. der Belichtungsmesser) da die jeweils passende Belichtung wissen, damit das eine Bild „Weiß-in-Weiß“ und das andere „Schwarz-in-Schwarz“ wird. Aus der Intensität des von den Motiven reflektierten Lichtes kann er das ja nicht erkennen.

Mittelhell

Glücklicherweise stellen solche Motive die Ausnahme dar — die meisten Motive setzen sich aus hellen und dunklen Bestandteilen zusammen, da ist eine Mischung so in etwa in „Mittelhell“ zu erwarten.
Weil man vermuten kann, dass das Motiv häufig (im Durchschnitt der verschiedenen abgebildeten Objekte) ungefähr mittelhell ist, hat die Kameraindustrie einfach dieses „Mittelhell“ als Zielwert festgelegt.
Die Mehrzahl aller Foto soll, davon geht man aus, auch im Durchschnitt mittelhell sein.
Die Automatik versucht also, das Bild so zu belichten, dass der Durchschnitt all der dunklen und hellen Flächen im Foto in etwa „Mittelhell“ ergibt.

Was heißt 'mittelhell'?

Was heißt ‚mittelhell‘?

Mittelhell bedeutet in dem Zusammenhang, dass ein Mensch die Helligkeit als in der Mitte zwischen ganz dunkel/Schwarz und ganz hell/Weiß empfindet. Man würde also davon ausgehen, dass eine Fläche mittelhell ist, die die Hälfte des auftreffenden Lichtes reflektiert. 
Die menschliche Wahrnehmung funktioniert aber anders.

Wir Menschen, die wir heute leben, sind die Nachkommen derjenigen Urmenschen, die dunkle Flächen heller sahen und so in der Lage waren, im dunklen Wald den dunklen Jaguar zu erkennen. Die anderen Urmenschen, die entsprechend der messtechnisch richtigen Helligkeit sahen, sahen den Jaguar nicht und konnten keine Nachkommen mehr zeugen.
Und so sehen wir anders, als es messtechnisch richtig wäre.

In Bezug auf die Helligkeit bedeutet das zum Beispiel, das der Sensor ein Objekt als mittelhell sieht, die 50% des auftreffenden Lichtes reflektiert. Für uns Menschen ist das ein viel zu hoher Wert, für uns wirken schon 18% Refleflektion als mittelhell. Wenn auf dem Foto erst Objekte mittelhell wiedergeben würden, die 50% des Lichtes reflektieren, würde das Bild für uns viel zu dunkel wirken.
Deshalb werden meistens auch die Belichtungsmesser auf diese ca. 18% Reflexion geeicht.

Andere Motive

Doch was ist mit den anderen Bildern, den nicht-normalen Ausreißern? Was ist mit Weiß-in-Weiß und Schwarz-in-Schwarz?
Dies sind oft die spannendsten Bilder, es wäre schade, wenn die nicht richtig belichtet würden. Aber für solche Motive braucht die Kamera Deine Unterstützung, damit sie entsprechend ihren Helligkeiten „richtig“ wiedergegeben werden. Denn eigentlich würde sie überwiegend weiße Motive genau so mittelhell wiedergeben wie überwiegende dunkle Motive. 

Wird ein Weiß-in-Weiß Motiv zu dunkel wiedergegeben, musst Du eingreifen und in Richtung heller korrigieren. Und bei einem zu hellen Schwarz-in-Schwarz musst Du umgekehrt gegensteuern.
Das ist einfach, wenn Du mit manueller Belichtungseinstellung fotografierst. Du musst dann nur die Blende schließen/öffnen und/oder die Belichtungszeit verkürzen/verlängern (und/oder die Empfindlichkeit, den ISO-Wert senken/steigern), wenn das Bild dunkler/heller werden soll.

Automatisch steuern

Mit den Automatiken geht das so nicht. In den Vollautomatiken („grünes Rechteck“, „Omataste“) und in den Szenenprogrammen (Portrait, Landschaft, Sport, Nacht, etc.) hast Du auf Zeit und Blende (und ISO) bei vielen Kameras keinen Einfluss.

Und auch bei den Programmen, bei denen Du Blende oder Belichtungszeit einstellen kannst – bei Blendenvorwahl (‹AV› oder ‹A›) oder Zeitvorwahl (‹TV›, ‹T› oder ‹S›) würde eine Veränderung von Blende oder Zeit nichts bewirken. Die Automatik würde ja mit dem jeweils anderen Wert gegensteuern, um die Standardhelligkeit in der Mitte beizubehalten. Das ist ja ihre Aufgabe, ein Bild mit im Durchschnitt mittlerer Helligkeit zu erzeugen.

Belichtungskorrektur

Aber es gibt einen Trick: wenn Du eine der Automatiken benutzt und die Helligkeit beeinflussen willst, kannst Du dazu die +/- Korrektur (Belichtungskorrektur, lies dazu auch „Hilfe, meine Fotos werden zu hell/zu dunkel!„) nutzen.
Diese ist bei manchen Kameras in Form eines eigenen kleinen Rädchens angelegt oder aber, etwas versteckt, erst nach Drücken eines Knopfes zugänglich. Viele Kompakt- und Bridgekameras haben diesen Knopf auf dem kleinen Multifunktionsknopf auf der Kamerarückseite. Diesen muss man gedrückt halten und dann am zentralen Rad drehen.

Korrekturwert auf -2/3

Korrekturwert auf -2/3

Viele Canon DSLRs haben den Knopf ebenfalls auf der Kamerarückseite, dort steht dann ‹AV +/-›. Bei Nikon und einigen anderen Herstellern haben die DSLRs diesen Knopf neben dem Auslöser, bei Nikon ist neben dem Knopf ein Symbol für die Blende abgebildet.
Bei machen Pentax-Kameras muss man das Einstellrad „oben rechts hinten“ kurz drücken, um in den Korrekturmodus zu gelangen.

Wird Dir das Bild zu dunkel, dann kannst Du mit der Belichtungskorrektur nach Plus korrigieren. Wird es zu hell, korrigierst Du nach Minus. Zumeist geschieht die Korrektur analog zur Einstellung von Blende und Zeit in Drittelschritten, drei Klicks verdoppeln oder halbieren also die auf den Sensor auftreffende Lichtmenge. Dadurch ist schon ein deutlicher Unterschied zu bemerken. Wie weit Du jeweils gehen musst, hängt davon ab, wie hell oder dunkel Du das Bild haben willst.
Du solltest das in Ruhe schon vor dem Urlaub üben!
(Mehr zu diesem Thema folgt in Tipps 7)

Auf den richtigen Zeitpunkt warten (1)

Nach der vielen Technik folgt jetzt noch etwas zur Gestaltung. Auch diesmal ist es keine Regel und kein Gesetz, sondern nur ein Hinweis.
Viele Bilder, gerade Stadtansichten und Landschaftsbilder, werden gerne bei strahlendem Sonnenschein fotografiert. Aber so ein leerer blauer Himmel wirkt oft etwas kalt. Einige weiße Schönwetterwolken lockern den Himmel dann nett auf und geben der Phantasie etwas zu tun, wenn sie groß genug sind.

Licht und Schatten

Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. Und diesen Schatten werfen die Wolken auf den Boden. Das kann eine Übersichtsaufnahme von einem hohen Berg auf eine Landschaft wundervoll beleben. Aber wenn der Schatten das Hauptobjekt des Bildes abdunkelt, ist das nicht so schön.

Zwischen diesen beiden Bildern liegen ca. fünf Minuten Wartezeit.

Zwischen diesen beiden Bildern liegen ca. fünf Minuten Wartezeit.

Dann ist es besser, zu warten, bis die Wolke und damit der Schatten, weiter gezogen ist. Nicht nur, dass der Schatten das Bild kalt wirken lässt (der Weißabgleich müsste hierfür auf offener Schatten stehen).
Der Schatten sorgt auch für eine meist langweilige gleichmäßige Ausleuchtung. Man kann die Struktur bzw. Oberfläche des Objektes dann nicht richtig erkennen und man blickt nur auf die „Schattenseite“ des Objekts.
Der Bruch in der Lichtstimmung zwischen dem eher trist wirkenden Hauptobjekt und dem sonnigen Hintergrund verstärkt die negative Wirkung dieser Beleuchtungssituation zusätzlich.
Abhilfe ist aber nicht schwer!
Meist reicht es, wenn Du einige wenige Minuten wartest, bis die Wolken weiter gezogen sind. Dann ist das Objekt wieder frei vom Schatten und zeigt Dir und Deinem Fotoapparat wieder seine Sonnenseite.
Nimm Dir diese Zeit.

Üben

Damit die Bilder im nächsten Urlaub wirklich besser werden, solltest Du nicht nur lesen, sondern vor allem üben, üben, üben. Nur dann sind die nötigen Handgriffe Dir auch in Streßsituationen klar. Und für den Gestaltungsmuskel ist das Training ebenfalls wichtig. Die folgenden Aufgaben sollen Dir dabei helfen.
Denk daran: wenn Du erstmal in der Situation bist, ist es zum Üben zu spät! ;-)

  1. Belichtungskorrektur einstellen
    Wenn Du erst überlegen musst, wo der Schalter für die Belichtungskorrektur ist, verlierst Du kostbare Zeit. Das Motiv ist dann wohlmöglich schon weg.
    Übe das einstellen, bis es quasi blind klappt. Dabei kannst Du gleich ein wenig mit verschiedenen Werten experimentieren und so ein Gefühl für die Einstellungen bekommen.
  2. Mach eine Belichtungsreihe
    Illustartion zum Thema Belichtungsreihe

    Ruhig mal ausprobieren: eine Belichtungsreihe

    Am besten geht das manuell, im „M“ Modus  (wichtig: mit deaktiviertem Auto-ISO). Fotografiere eine Tageslichtszene. Das Licht (die Beleuchtungsintensität) sollte für einige Minuten möglichst konstant sein.
    Der Ausschnitt sollte gleich bleiben, dabei hilft ein Stativ. Oder Selbstdisziplin. ;-)
    Mach ein Foto so dunkel wie möglich.
    Also kurze Belichtungszeit, hohe Blendenzahl für eine möglichst weit geschlossene Blende und einen niedrigen ISO-Wert einstellen.
    Dann öffne nach und nach die Blende.
    Immer um eine volle Stufe, das sind an den meisten Kameras drei Klicks, drei Drittelwerte. (z.B. 22 -> 16 -> 11 -> 8 -> …). Damit verdoppelst Du das Licht jedesmal.
    Wenn die Blende sich nicht weiter öffnen lässt und Bild noch nicht komplett weiß ist,  dann lass die Blende auf dem letzten Wert stehen und verdoppel jetzt Schritt für Schritt die Belichtungszeit (z.B. 1/2000 -> 1/1000 -> 1/500 -> 1/250 …)
    Das machst Du so lange, bis das erste mal ein Bild komplett weiß wird. Sieh Dir die Bilder dann in Ruhe an, um die Unterschiede zu erkennen.
    In der Automatik kannst Du diese Reihe auch versuchen, dann aber über die Belichtungskorrektur. Du hast aber oft nur die Möglichkeit von +3 bis -3 , also ingesamt sieben Schritte zu gehen.

  3. Beobachte das Licht(1)
    Such Dir an einem sonnigen Tag ein schönes Stück Landschaft, setzt dich auf die Picknickdecke und versuche zu entspannen. Versuche zu erkennen, wie sich das Licht und damit die Stimmung der Landschaft durch die ziehenden Wolken verändert
  4. Beobachte das Licht (2)
    Such dir ein gut erreichbares Gebäude (am besten mit interessanten Details wie Erkern, Stuckarbeiten, Verzierungen, Balkonen) und fotografiere es an sonnigen Tagen zu unterschiedlichen Tageszeiten. (Keine Nordseite!) 
 

Nicht zu ernst nehmen!
Es handelt sich bei diesen Tipps keinesfalls um Gesetze, die man nicht brechen darf. Es sind nur Hinweise, die auch tendenziell langweilige Bilder, deren Inhalt den Betrachter nicht von vornherein fesselt, „erträglich“ machen können.
Ein Bild mit einem spannenden Inhalt, einer spannenden Idee, kann dagegen trotz (oder wegen) einer Missachtung dieser Überlegungen ein tolles Bild ergeben.
Je mehr man sich mit Gestaltung und Inhalt der eigenen (und fremder) Bilder auseinandersetzt, desto eher wird man in die Situation kommen, solche Hinweise nicht mehr zu benötigen oder auch bewusst missachten zu können. Solange man da noch nicht angekommen ist, kann es helfen, diese Hinweise bei der Planung/Gestaltung der eigenen Bilder zu berücksichtigen.

/ 15. Mai 2018

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